Kontrollsäulen überprüfen zukünftig die Einhaltung der Mautpflicht auf Bundesstraßen.
© Foto: Toll Collect

Seit 1. Juli: Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen

Wer seine Waren, Werkzeuge oder Dienstleistungen per Lastwagen über die Bundesstraße bewegt, muss dafür bezahlen

Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

Berlin/Kammerbezirk. Galt die Mautpflicht für Lkw bislang nur auf Autobahnen sowie autobahnähnlichen Bundesstraßen, gilt sie jetzt für jede Bundesstraße in ganz Deutschland. Zum 1. Juli ist die neue gesetzliche Regelung in Kraft getreten. Mit der Ausweitung vergrößert sich das mautpflichtige Streckennetz auf rund 52.000 Kilometer.

Schätzungen zufolge werden die Fahrzeuge von rund 30.000 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zusätzlich von der Mautpflicht betroffen sein. Toll Collect (Betreiber des Mautsystems) rechnet mit rund 140.000 zusätzlichen Fahrzeugen, die erstmals von der Lkw-Maut betroffen sind. Das sind nicht nur Transportunternehmen, sondern viele andere Branchen, die regional unterwegs sind. Dazu gehören auch Handwerksbetriebe.

On Board Unit (OBU)
Die Mauterhebung über das automatische Einbuchungsverfahren mit der On Board Unit (OBU) ist nach wie vor der komfortabelste Weg die Gebühr zu entrichten. Die On Board Units senden zeitversetzt und verschlüsselt Fahrtdaten und mautrelevante Fahrzeugmerkmale an das Rechenzentrum von Toll Collect. Dort findet die Berechnung der Maut für die befahrenen gebührenpflichtigen Streckenabschnitte statt. Informationen zu den einzelnen Fahrten können die Transportunternehmer und Fahrer im Kunden-Portal unter „Nicht abgerechnete Fahrten“ spätestens nach 48 Stunden, in der Regel früher, einsehen. Wenn für die einzelnen Fahrten und Kunden Kostenstellen in der OBU vergeben werden, gelingt die Zuordnung später leichter.

Im Rahmen der Weiterentwicklung wurde technisch die Möglichkeit geschaffen, die Maut nach zusätzlichen Gewichtsklassen zu differenzieren.

Im Fahrzeuggerät ist das zulässige Gesamtgewicht, das bei der Registrierung angegeben wurde, dauerhaft gespeichert. Das Gewicht ist anzupassen, wenn ein Anhänger an- oder abgekoppelt wird. Die aktuell gültigen Mautsätze bleiben auch nach dem 1. Juli zunächst in Kraft. Die Mitwirkungspflichten des Fahrers bleiben vorläufig gleich. Weiterhin ist die aktuelle Achszahl einzugeben, sofern sie von der auf der OBU personalisierten Achszahl abweicht. Die gültigen Tarife sind unter (internet) www.toll-collect.de einzusehen und gelten auf Autobahnen und Bundesstraßen.
Das Bundesfernstraßenmautgesetz wird auf der Grundlage eines neuen Wegekostengutachtens schnellstmöglich angepasst. Daraus werden sich neue Mautsätze und neue Mitwirkungspflichten ergeben. Die Einführung neuer Gewichtsklassen ist nach dem neuen Wegekostengutachten grundsätzlich möglich und vom Gesetzgeber beabsichtigt.

Manuelles Einbuchungsverfahren
Das weiterentwickelte manuelle Einbuchungsverfahren bietet verschiedene Möglichkeiten für die Bezahlung der Mautgebühren. Unverändert bleibt, dass die Maut vor Beginn der Fahrt bezahlt werden muss. Die manuelle Einbuchung ist per Toll Collect-App auf mobilen Endgeräten wie Smartphone und Tablet möglich. Weiterhin kann über stationäre PC oder 1.100 neue Mautstellen-Terminals gebucht werden. Die neuen Mautstellen-Terminals ergänzen die Online-Einbuchung.
Jeder Kunde kann jeden zur Verfügung stehenden manuellen Einbuchungsweg nutzen, ohne sich vorab bei Toll Collect registrieren zu müssen. Darüber hinaus bietet die neue manuelle Einbuchung nicht registrierten Kunden einen zusätzlichen Service: Mit dem Anlegen eines Einbuchungskontos können sie die Fahrzeuge, mit denen sie sich häufig manuell einbuchen, oft befahrene Strecken sowie Zahlungsmittel hinterlegen.

Auf den Bundesstraßen installierte Kontrollsäulen überprüfen, ob die Mautpflicht eingehalten wird. Die Kontrollsäulen ergänzen die mobilen Kontrollen des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG). Kontrollbrücken werden auf Bundesstraßen nicht errichtet. Technisch sind die Kontrollsäulen mit ähnlichen Funktionen ausgestattet wie die auf den Autobahnen installierten Kontrollbrücken. Die rund 600 Kontrollsäulen, die vier Meter hoch und blau/grün gekennzeichnet sind, überprüfen, ob vorbeifahrende Fahrzeuge mautpflichtig sind und die Gebühr ordnungsgemäß entrichtet haben. 

Info: Zu beachten aus Sicht des Handwerks: Für Kunden, die bereits bei Toll Collect  registriert und deren Fahrzeug mit einer On Board Unit zur automatischen Mautmeldung ausgerüstet sind, ergeben sich durch die Mauterweiterung keine Verfahrensänderungen (jedoch gegebenenfalls Mehrkosten durch mehr mautpflichtige Nutzungskilometer). Auf die Eingabe der Achsenzahl bei Anhängerbetrieb ist durch die Streckenausweitung nun verstärkt zu achten! Wer eine OBU eingebaut hat, aber nur durch den Anhängerbetrieb in die Mautpflicht kommt und dies nicht in das Gerät eingibt, würde nun auf allen Bundesstraßen „die Maut prellen“. Ebenso ist darauf zu achten, nach dem Abhängen eines Anhängers auch die reduzierte Achsenzahl anzugeben, um nicht zu viel Maut zu entrichten.

Viele Betriebe, die – mit Fahrzeugen ab 7,5 Tonnen – nur bislang gelegentlich Autobahnen und autobahnähnliche Bundesstraßen nutzen, haben zur Bezahlung der Maut die manuelle Einbuchung genutzt. Im Zuge der Ausdehnung der Mautstreckennetzes sollten alle Betriebe die Fahrzeuge und Fahrzeugzüge ab 7,5 t zGM nutzen und damit seit 1.7.2018 nun erstmals oder vermehrt mautpflichtige Strecken tangieren, prüfen, ob der Einbau einer „On Board Unit“ zur automatischen Mauterfassung sinnvoll ist.

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