Die Veranstaltung mit dem Titel „Fachkräfte für das Handwerk – Eine moderne berufliche Bildung garantiert zukunftsfähige Arbeitsmärkte“ widmete sich einem der drängendsten Themen im Handwerk.
© ZDH/Boris Trenkel

Strukturwandel fordert Berufsbildung

ZDH-Unternehmerforum zeigt Nachholbedarf bei der Digitalisierung

Digitalisierung

Berlin. Die Digitalisierung der Wirtschaft und der immer härter werdende Wettbewerb um Fachkräfte verlangt von Politik und Handwerk schnelles Handeln. „Es geht heute darum, welche Bedeutung die berufliche Bildung für die Arbeitsmärkte der Zukunft und für den Wirtschaftsstandort Deutschland haben“, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer beim ZDH-Unternehmerforum „Fachkräfte für das Handwerk“. Mit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) würden zwar wichtige Strukturentscheidungen vorgenommen, es fehle aber eine angemessene Anerkennung für die Ausbildungsleistung. Wer ausbildet, sollte beispielsweise weniger Sozialbeiträge bezahlen müssen, forderte Wollseifer.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Thomas Rachel (CDU), zeigte Verständnis für die Forderungen. Diese müsse das Handwerk aber mit dem Bundessozialminister oder dem Bundesfinanzminister besprechen, sagte er. Neben der „Palette an Herausforderungen“ in der beruflichen Bildung gebe es auch einen „breiten Strauß an Aktivitäten“. Dazu gehörten die BBiG-Novelle mit der neuen Mindestausbildungsvergütung sowie die für Herbst geplante Novelle der Aufstiegsfortbildung. „Wir wollen künftig drei aufeinander aufbauende Fortbildungsstufen fördern“, sagte er. Insgesamt stünden dafür 350 Millionen Euro zusätzlich bereit. Außerdem würden kleine Betriebe über das Jobstarter-Programm bei der Ausbildung unterstützt.

Mehr Geld für Digitalisierung

Entscheidend für die Qualität der beruflichen Bildung ist nach Ansicht aller Experten die Frage, wie schnell die Digitalisierung in die berufliche Ausbildung integriert wird. Wie Rachel weiter sagte, werde das Bildungsministerium auch deshalb die überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) über das Programm ÜBSDigitalisierung für vier weitere Jahre mit insgesamt 120 Millionen Euro fördern. Dies solle insbesondere kleineren Betrieben zugute kommen. Auch solle über die Qualifizierungsinitiative Digitaler Wandel 4.0 das Personal in der beruflichen Bildung für Veränderungen geschult werden.

Plattform-Ökonomie

Starken Nachholbedarf bei der Digitalisierung sieht Hans-Peter Klös, Mitglied der Geschäftsführung beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Deutschland sei zwar sehr gut in der Beherrschung industrieller und handwerklicher Komplexität, die Plattform-Ökonomie sei aber nicht gerade die Spezialität des deutschen Geschäftsmodells. Gerade sie werde aber die deutsche Wirtschaft – inklusive Handwerk – herausfordern. Auch ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sieht die „unglaubliche Dynamik in der Digitalisierung“ als Herausforderung für die berufliche Bildung. Oft hingen Ausbildungs- und Prüfungsordnungen weiter hinterher. Hier müssten alle Betroffenen wesentlich schneller werden, forderte er.

Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, Friedrich Hubert Esser, verwies darauf, dass Betriebe bei der Digitalisierung oftmals weiter seien. Es sei wichtig, die Berufsschulen auf Augenhöhe zu bringen. Für BAVorstandsmitglied Daniel Terzenbach kommt es darauf an, möglichst viele beim Strukturwandel mitzunehmen und allen klarzumachen, dass es ohne Weiterbildung nicht mehr gehe.