Ein zentraler „Schlüssel“ für eine erfolgreiche Marktteilnahme der Zukunft liege vor allem in der digitalen Weiterbildung der Unternehmen und Mitarbeiter.
(v.l.): Andreas Ehlert (Handwerkskammer Düsseldorf), Dr. Michael Henze (NRW-Wirtschaftsministerium), Professor Achim Wambach (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforderung), Patrick Peters (KKL Düsseldorf), Christof Kerkmann (Handelsblatt) und Professor Dr. Hans Jörg Hennecke (Kompetenzzentrum Soziale Wirtschaft). Foto: Wilfried Meyer

„Update“ für die Marktwirtschaft

Handwerk diskutiert Wettbewerbsbedingungen einer datengetriebenen Ökonomie

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Düsseldorf. Das Handwerk sorgt sich in Zeiten einer fortschreitenden Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft um einen fairen Marktzugang. Auf einer Veranstaltung des Kompetenzzentrums Soziale Marktwirtschaft der Handwerkskammer Düsseldorf mit dem Vorsitzenden der Monopolkommission und Direktor des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW, Köln), Professor Achim Wambach, brachte der Präsident der gastgebenden Handwerkskammer, Andreas Ehlert, vor 180 Handwerksunternehmern die Sorge des arbeitsintensiven und beschäftigungsstarken Wirtschaftssektors auf den Punkt: „Das Handwerk ‚kann‘ digital.“

Die Frage nach ordnungspolitischen Konsequenzen der Digitalisierung werde allerdings zu wenig diskutiert. „Dabei werfen Plattformökonomie und Industrie 4.0 tradierte Vertriebswege und Geschäftsmodelle über den Haufen, verschaffen sich exklusiven Direktzugang zum Kunden und liefern womöglich demnächst vom Brötchen bis zur Heizwärme alles aus einer Hand“, so Ehlert. Alleine das vieldiskutierte Building Information Modeling (BIM) – die Bauplanung und -erstellung an einem einzigen Datenstrang – werde „massive Auswirkungen auf die Auftragsvergabe im privaten und öffentlichen Sektor“ haben. Darüber hinaus seien in der Haus-, Fahrzeug- und Gesundheitstechnik, in nahezu allen Gewerken, Innovationen im Gange, „bei denen einem schwindelig werden kann“.

Der Ökonom und Mathematiker Wambach bestätigte in seinem Vortrag die Notwendigkeit eines „Update“ der Sozialen Marktwirtschaft und verwies auf erste Anpassungen im Wettbewerbsrecht. So regelt die Novelle des GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen), dass bei der Prüfung der Marktstellung eines Unternehmens auch die Auswirkungen auf „Netzwerkeffekte“ und der Zugang zu wettbewerbsrelevanten Daten heranzuziehen seien. Dies bedeute jedoch nicht, dass digitalen Markteintretern mit neuen, branchenübergreifenden Services – sogenannten „kollaborativen Commons“ – grundsätzlich Grenzen gezogen würden oder werden müssten: „Der Paradigmenwechsel ist nicht aufzuhalten, Dinge und Dienstleistungen werden künftig eher geteilt als besessen“, so Wambach. Ein zentraler „Schlüssel“ für eine erfolgreiche Marktteilnahme der Zukunft liege vor allem in der digitalen Weiterbildung der Unternehmen und Mitarbeiter.

Patrick Peters, Co-Geschäftsführer des Kälteanlagenbauers KKL (Düsseldorf), zeigte vor der abschließenden Podiumsdiskussion (Moderation: Christof Kerkmann, Handelsblatt) auf, wie sich technologieorientierte Handwerksunternehmen bereits heute für die Praxis rüsten: durch ein eigenes Ausbildungszentrum etwa, das dem Branchennachwuchs der Firma anhand von virtuellen Wartungs-Projekten auf der Basis realer technischer Daten die Anlagen-Steuerung und -Wartung „4.0“ nahebringt. Für eine leistungsfähigere Datenübermittlung müssten ein Glasfasernetzausbau und der 5G-Mobilfunkstandard sehr schnell kommen“, so Peters.

Der Leiter der Digitalisierungsabteilung im NRW-Wirtschaftsministerium, Dr. Michael Henze, informierte über mittelstandsgerechte Förderangebote des Landes wie den „Innovations- und Digitalisierungsgutschein“ für die Inanspruchnahme von Dienst- und Beratungsleistungen zur Datenautomatisierung, das Programm „Innovationsassistent“, das kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) helfen soll, leichter an Informatiker zu gelangen, sowie das erst drei Monate alte Angebot eines „Digitalisierungs-Kredits“, das Investitionen in Datennetze und eine IT-leistungsfähigere Arbeitsplatzausstattung unterstützt.

Die Gelegenheit zum Austausch mit dem profilierten Ökonomen und erfolgreichen Fachbuchautor Wambach („Digitaler Wohlstand für alle“) ließen sich auch zahlreiche Politiker, die an der Veranstaltung teilnahmen, nicht nehmen.