Noch besserer Durchblick dank AR-Brille: Fachbereichsleiter Edgar Siemens hat sichtlich Spaß beim Ausprobieren der Technik von morgen.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

Virtuelle Realität

Das Projekt „ARSuL“ erforscht, wie Datenbrillen Handwerker unterstützen

Digitalisierung

Aachen. Reparaturen, Wartungen und Schulungen aus der Ferne vornehmen – was zunächst wie Science-Fiction klingt, ist die Idee hinter dem Projekt „ARSuL“ (Augmented Reality basierte Unterstützung für das Lernen im Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk). Seit Anfang 2017 beteiligt sich der Heiztechnikhersteller Vaillant gemeinsam mit der Fachhochschule Südwestfalen, der Hochschule Niederrhein und der Hochschule Ruhr West sowie ausgewählten Fachhandwerksbetrieben und der Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk an der Umsetzung.

Ziel des Projekts ist es, effektives Lernen in die täglichen Arbeitsabläufe zu integrieren und erfahrenen Mitarbeitern zu ermöglichen, ihr Wissen ohne großen Zeitaufwand an jüngere Kollegen weiterzugeben. Dadurch lassen sich Trainings effizienter gestalten und besser auf die individuellen Bedürfnisse zuschneiden.

Die Aufgaben im Handwerk werden schließlich immer komplexer, was die Mitarbeiter zunehmend vor Probleme stellt. Der immer kürzere technische Innovations- und Produktzyklus erfordert eine ständige Weiterbildung und Flexibilität, die nicht alle Handwerker gleichermaßen gut erbringen können. Der Nachwuchsmangel macht es zudem in einigen Gewerken schon jetzt notwendig, auch weniger qualifizierte Personen in solche technisch ausgerichteten Arbeitsabläufe zu integrieren. Ohne entsprechend aufwendige Qualifizierungen und Anleitungen können diese den Arbeitsanforderungen aber nicht entsprechen.

Hier setzt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „ARSuL“ an. Es möchte „Augmented Reality“ als Unterstützung für das Lernen, speziell im Bereich Sanitär, Heizung und Klima, erforschen und einsetzbar machen. Die „erweiterte Realität“ bezeichnet dabei eine computerunterstützte Darstellung, die die reale Welt um virtuelle Aspekte erweitert – durch die Einblendung von visuellen Zusatzinformationen in Echtzeit.

Bei einem Workshop in der BGE Aachen, ein Bildungszentrum der Handwerkskammer Aachen, hatten Lehrlinge zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik jüngst die Möglichkeit, einige Arbeitsschritte an einer Heizung kennenzulernen – im klassischen Unterricht, mit Augmented Reality (AR) und mit Virtual Reality (VR). Im Vorfeld lernten die Teilnehmer die Unterschiede zwischen VR und AR kennen. Während VR den Nutzer in eine künstliche beziehungsweise simulierte Realität eintauchen lässt, vermischt AR die virtuelle mit der realen Welt: Es kommen Elemente zum Einsatz wie zum Beispiel Grafiken, die die Realität ergänzen. Das bekannteste AR-Spiel ist wohl „Pokémon Go“.

Ein Beispiel für den Einsatz von Augmented Reality wäre also die Reparatur einer Heizungsanlage, wie es in den SHK-Schulungsräumen im Bildungszentrum BGE dann auch umgesetzt wurde. Oft ist ein Gerät seit vielen Jahren beim Kunden in Betrieb, mit der Folge, dass Handwerker speziell dieses ältere Modell nicht kennen. Um sich in dieser Situation Unterstützung zu holen, betrachtet der unerfahrene Mitarbeiter die Heizungsanlage durch eine spezielle Brille, die das Blickfeld mit einer Kamera erfasst und das Bild an erfahrene Kollegen im Handwerksbetrieb überträgt, ohne dass diese vor Ort sein müssen. So können erfahrenere Handwerker dem Kollegen beim Kunden Hilfestellungen zur Reparatur geben und bei Bedarf Hinweise perspektivisch passend ins Sichtfeld der Brille einblenden.

Dadurch unterstützt das System den Anlagenmechaniker für SHK künftig dabei, Arbeitsabläufe zu erlernen oder zu trainieren – und gibt ihm direktes Feedback zu seinen Handlungen. Auch in der Ausbildung könnte AR eingesetzt werden. Anstelle einer Schulung auf Papier, könnte man Lerneinheiten im virtuellen Raum vornehmen. Die Lernenden könnten beispielsweise Heizanlagen virtuell betrachten, um sie herumgehen und sie zerlegen.

„Die technologische Vielfältigkeit von AR und VR bringt neue Möglichkeiten für das Handwerk allgemein. So können zum Beispiel im Kundendienst und der Instandhaltung Dienstleistungsangebote erweitert werden, weil man anlagenspezifische Informationen und Bauteile durch die digitale Unterstützung direkt vor Ort abrufen, bestellen oder sofort reparieren kann“, sagt Edgar Siemens. Der Fachbereichsleiter machte sich ein Bild von dem Workshop und hat dabei natürlich auch mal die AR-Brille aufgesetzt. Auch in der Lehre sehe man bereits jetzt schon, dass es unterstützend eingesetzt werden könne. „Und es ist auch denkbar, dass in naher Zukunft komplette Arbeitsabläufe sowie Unterrichtsinhalte vermittelt und simuliert werden können. Aus- und Weiterbildung bekommen durch den Fortschritt der Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten“, so Siemens.

Info: Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen: immer schnellere Innovations- und Produktzyklen bei weiter schwindendem Fachkräftenachwuchs. Das Projekt ARSuL (Augmented Reality basierte Unterstützung für das Lernen im Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk) nimmt daher das lebenslange Lernen in den Fokus und kombiniert praxisnahe innovative Lernkonzepte mit intuitiven Mensch-Technik-Schnittstellen.

  • Förderschwerpunkt: Erfahrbares Lernen
  • Projektvolumen: 1,71 Millionen Euro (davon 95 Prozent Förderanteil durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung)
  • Projektlaufzeit: 2017-2019
  • Projektpartner: Vaillant Deutschland GmbH & Co. KG, Remscheid; Fachhochschule Südwestfalen, Soest; Hochschule Niederrhein, Krefeld; Hochschule Ruhr West, Bottrop; Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk, Düsseldorf

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://projekt-arsul.de.