Wer wird Meister?

Ein Kommentar von Elmar Brandt

Endlich Schwung in der Geschichte. Der Meister! Aushängeschild für das deutsche Handwerk – geschätzt im In- und Ausland. Oft heiß diskutiert, in Europa auch von vielen Seiten kritisiert. Und jetzt? Beschäftigt sich die deutsche Politik endlich mit den Hinterlassenschaften der Novellierung von 2004, als 53 Gewerke aus der Meisterpflicht genommen wurden. Jetzt endlich wird die Frage diskutiert: War es für einige Branchen eine falsche Entscheidung?

Gut, dass das Thema endlich Fahrt aufnimmt! Gut, dass viele Experten sich für die Meisterpflicht in einigen Berufen aussprechen. Die Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Dafür haben Fachverbände und Innungen sich mächtig ins Zeug gelegt. Und das war gut so.

Es war richtig, dass sich Vertreter der einzelnen Handwerke, ausgewiesene Experten sowie Entscheidungsträger des Zentralverbands des Deutschen Handwerks in Berlin zu den Entwicklungen äußern und ihre Argumente vortragen konnten. Denn gerade im Handwerk spielt es eine große Rolle, was täglich in der Praxis läuft.

Das Handwerk ist ein großer Teil der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland. Und der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Er sorgt für eine große Menge an Arbeits- und Ausbildungsplätzen und bietet seinen Mitarbeitern Sicherheit und Zufriedenheit.
Das mag pathetisch klingen, es ist aber so und auch bewiesen. Die Konjunktur brummt, die Umsätze steigen – nur das Personal fehlt. Mehr Wertschätzung und Anerkennung sind dringend erforderlich, um junge Menschen, die eine Karriere im Handwerk anstreben, zu gewinnen. Der Wer wird Meister? Meister war schon immer das Sprungbrett zur Selbstständigkeit oder zu einer verantwortungsvollen, ertragreichen Position in einem Betrieb. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Deregulierung der Handwerksberufe vor 15 Jahren zu massiven Marktverwerfungen geführt hat und Auslöser für den heutigen Fachkräftemangel war. Denn ausgebildet wird nun mal zum allergrößten Teil in Meisterbetrieben.

Wichtig ist jetzt eine schnelle Umsetzung in ein Gesetz, damit es ab 1. Januar 2020 Klarheit gibt, welche Gewerke wieder unter die Meisterpflicht fallen. Für viele Entscheidungen braucht die Große Koalition bekanntlich sehr lange. Hier muss sie schneller handeln. Vor allem vor dem Hintergrund, dass man derzeit gar nicht weiß, wie lange das Berliner Bündnis überhaupt noch hält.

Es muss eine Entscheidung her. Und es gilt einiges zu prüfen: Ist es im Hinblick auf die Gefahrenneigung ein Unterschied, ob ein Orgelbauer im Kirchenschiff ein Gerüst aufbaut oder ein Gerüstbauer oder Baubetrieb? Ist es fraglich, dass ein Brauer genauso qualifiziert sein muss wie ein Bäcker oder Fleischer, um die Gesundheit seiner Kunden nicht zu gefährden? Und hat nicht auch ein Bestatter eine sehr wichtige persönliche, verantwortungsvolle Aufgabe, für deren Erfüllung er erst einmal den Nachweis über seine Fähigkeit dazu erbringen sollte? Es ist klar, dass nicht alle Berufe, die aus der Meisterpflicht gefallen sind, wieder aufgenommen werden können, aber jedes Gewerk hat das Recht auf eine genaue Prüfung. Denn das Handwerk ist nun mal eine Wirtschaftsmacht. Es zu stärken und für die Zukunft gut aufzustellen, ist allerhöchste Pflicht der Politik.

 elmar.brandt(@)hwk-aachen.de