Die Initiative „Gesunde Unternehmenskultur im Kreis Heinsberg“ hatte die Veranstaltung in der „Werkbank“ organisiert.
Beschäftigten sich beim Themenabend in der Werkbank damit, wie man dem Burnout vorbeugt (v.l.n.r.): Ulrich Schirowski, Geschäftsführer WFG, Torsten von Keitz und Andrea Erkelenz, beide IKK Classic, Dr. Michael Vondenhoff, Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft. Foto: Cornelia Groschopp/ Gesundheitsamt Kreis Heinsberg

„Werkzeugkoffer“ gegen Burnout

Vorbeugung genauso wichtig wie Zähneputzen

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Heinsberg. Regelmäßig etwas für die Psyche zu tun – dies sei genauso wichtig wie das tägliche Zähneputzen! Mit dieser markanten Eingangsbotschaft startete Thorsten von Keitz, Diplom-Sportlehrer im Dienste der Krankenkasse IKK Classic und anerkannter Experte zum Thema psychische Belastungsstörungen, in seinem Vortrag „Burnout verhindern – die (Arbeits-)Kraft stärken“. Die Initiative „Gesunde Unternehmenskultur im Kreis Heinsberg“ hatte die Veranstaltung in der „Werkbank“ organisiert. Initiatoren waren das Kreisgesundheitsamt, Kreissparkasse, Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG) und die Kreishandwerkerschaft Heinsberg.

WFG-Geschäftsführer Ulrich Schirowski und Dr. Michael Vondenhoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg, freuten sich, mehr als 40 Gäste begrüßen zu können. Allein dies zeige die offensichtlich hohe Relevanz des Themas, so Schirowski. Dr. Vondenhoff machte deutlich, dass gerade angesichts der anhaltend hohen Auftragslage im Handwerk – gepaart mit einem zunehmenden Fachkräftemangel – Stress zu einem ständigen Begleiter der Handwerker geworden sei. Ständige Belastung könne zum Vorboten von Burnout werden.

Thorsten von Keitz konnte dem nur zustimmen: Natürlich seien wir immer wieder Belastungen, Anspannungen und Stress ausgesetzt. Dies sei an sich noch nicht schädlich, vorausgesetzt, man verfüge über genügend Ressourcen zur Entspannung und nutze diese auch regelmäßig. „Ein Burnout-Syndrom kann entstehen, wenn man sich immer wieder selbst antreibt, immer härter zu arbeiten, vielleicht weil man sich etwas beweisen möchte“, so von Keitz.

Seine eigenen Bedürfnisse stelle man immer weiter zurück, Konflikte würden weggeschoben, Warnungen von Familie und Freunden in den Wind geschlagen. Am Ende stehe dann oft der soziale Rückzug, ein Gefühl der inneren Leere und des nur noch „funktionieren Müssens“. Schließlich folge Resignation, Depression und eben das, was wir „Burnout“ nennen. „Die gute Nachricht dabei ist: Wer auch in stressigen Zeiten von Zeit zu Zeit innehält und sein Handeln kritisch hinterfragt, kann in jeder Stufe dieser Spirale aussteigen.“

Natürlich sei es besser, gar nicht erst in eine solche Situation hineinzugeraten. Was also tun? Von Keitz beantwortete dies so einfach wie klar: „Sich selbst klarmachen, was man braucht, um gesund zu bleiben.“ Dabei sei der Begriff von Gesundheit durchaus nicht bei allen Menschen gleich. Aber immer gehörten körperliche (Fitness, aktiver Lebensstil, Ernährung), psychische (Zufriedenheit, Wertschätzung, positive Denkweise) und soziale (Freundeskreis, Vertrauenspersonen, familiärer Rückhalt) Faktoren dazu.

„Entspannung muss nicht heißen, auf einer Matte liegen und nichts tun. Auch etwas Kreatives machen, sogar eine bestimmte Art von Arbeit, kann einen Ausgleich zum Job bieten.“ Jeder müsse für sich herausfinden, was den größten Effekt bringe. Daraus packe man seinen individuellen „Werkzeugkoffer“. Wichtig sei, darin einen Sinn zu sehen, auch der Spaß dabei dürfe nicht fehlen. „Oft sammeln sich im Laufe des Tages Stressmomente an, vom lahmen Autofahrer am Morgen bis hin zum schwierigen Kunden am späten Nachmittag.“ Deshalb sei es sinnvoll, kurze „Entspannungsoasen“ auch in die tägliche Routine einzubauen. Das könnten Entspannungsübungen am Schreibtisch, kurze Atemübungen oder ein Spaziergang sein.

In besonderer Weise sprach von Keitz dabei die Verantwortlichen in den Unternehmen an, die zahlreich vertreten waren. Als Chef sei man doppelt in der Verantwortung und zwar sowohl für sich selbst – nicht zuletzt wegen der Vorbildfunktion – als auch seinen Mitarbeitern gegenüber. Das wichtigste an einer gesundheitsfördernden Führung sei eine wertschätzende Grundhaltung. Dazu gehörten aktives Zuhören, die klare Kommunikation von Lob und Kritik und das Einbeziehen der Belegschaft bei Entscheidungen und Veränderungen. Hilfreich sei dabei manchmal auch ein Perspektivwechsel und die Frage: Wäre ich mir selbst ein guter Chef?