Das fünfte Halbjahr in Folge erreicht die Stimmung im Handwerk mit 93 Prozent positiver Rückmeldungen einen Top-Wert
© Handwerkskammer Aachen

Die Zeichen stehen auf Normalisierung

Die hervorragende Konjunktursituation im Handwerk hält an. Mit etwas gedämpften Erwartungen gehen die Betriebe ins Winterhalbjahr.

Pressemitteilung

Aachen. „Das fünfte Halbjahr in Folge erreicht die Stimmung im Handwerk mit 93 Prozent positiver Rückmeldungen einen Top-Wert“, freut sich Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, über die guten Ergebnisse der Herbstumfrage der Kammer bei ihren Mitgliedsbetrieben. Davon bewerten 55 Prozent ihre Geschäftslage mit gut und nur sieben Prozent sind unzufrieden.

„Die Zeichen stehen für die Zukunft auf Normalisierung: Mit 85 Prozent erwartet aber ein immer noch hoher Anteil eine gleichbleibende oder gar bessere Geschäftsentwicklung. Von Rezession als Vorbotin einer Krise kann nicht die Rede sein“, so Deckers. Aber die Unsicherheiten in Bezug auf den Brexit, den Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie fehlende gerichtliche Entscheidungen zum Diesel-Konflikt drücken auf die Stimmung im Handwerk.

Der Auftragsbestand blieb stabil bei 83 Prozent. Davon meldeten 26 gestiegene, 57 Prozent stabile Auftragspolster. Die Auftragsreichweiten liegen bei durchschnittlich 7,7 Wochen, was im Vergleich zum Herbst 2018 einem Plus von 0,9 entspricht. Im Bauhaupt- und im Ausbaugewerbe liegen sie mit 14,1 beziehungsweise 9,3 Wochen und bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf mit ebenfalls 9,3 Wochen deutlich darüber.

Der Gesamtumsatz profitiert von der guten Nachfrage: 79 Prozent der Fachbetriebe fuhren bessere oder gleich hohe Umsätze ein. Für das Winterhalbjahr erwarten sogar 81 Prozent solche Entwicklungen.

Mittlerweile haben 35 Prozent höhere Verkaufspreise entweder aufgrund der hohen Nachfrage durchsetzen können oder weil sie die höheren Beschaffungspreise an die Kunden weitergegeben haben. In der kommenden Zeit wollen sogar 39 Prozent ihre Preise erhöhen.

Die Investitionsbereitschaft ist wegen gedämpfter gesamtwirtschaftlicher Aussichten leicht gesunken: 83 Prozent der Betriebe steckten mehr oder gleich viel Geld in neue Maschinen, Räumlichkeiten und digitale Ausstattung.

Die Beschäftigungslage ist sehr gut. Der Wert der Betriebe, die mehr Personal einstellten oder ihre Mannschaftsstärken hielten, liegt bei 89 Prozent. 94 Prozent der Chefs beabsichtigen, im Winterhalbjahr mehr Fachkräfte einzustellen oder die Teamstärken beizubehalten.

Die einzelnen Handwerksgruppen
98 Prozent der Chefs im Bauhauptgewerbe beurteilen die Geschäftslage mit „gut“ oder „befriedigend“. Im Ausbaugewerbe liegt der Gesamtindikator mit 97 Prozent zwei Punkte über dem Vorjahreswert.

Beim Handwerk für den gewerblichen Bedarf sind die Geschäfte besser gelaufen als erwartet. Aktuell 89 Prozent, drei Punkte mehr als im Vorjahr, beurteilen ihre Lage mit „gut“ oder „befriedigend“.

Für das Kfz-Gewerbe verlief das vergangene Halbjahr viel schlechter als erwartet. Die Hoffnung, gerichtlich klare Entscheidungen bezüglich des Diesel-Skandals zu erhalten, damit alle Fahrzeughalter wissen, woran sie sind, hat sich nicht erfüllt. Aktuell sind viele Verbraucher auch unsicher, inwieweit ein E-Auto die richtige Anschaffung für sie ist. Die Geschäftslage bewerten daher nur 75 Prozent der Kfz-Meisterbetriebe mit „gut“ oder mit „befriedigend“.

100 Prozent positive Rückmeldungen gab es im Nahrungsmittelgewerbe; der gleiche Wert wie im Herbst 2018 und in diesem Frühjahr. Um 6 Punkte legte der Zufriedenheitswert bei den Betrieben im Gesundheitsgewerbe auf nun 100 Prozent zu. Bei 90 Prozent der personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe ist es in den vergangenen Monaten gut gelaufen.

Die Regionen
Die Handwerksbetriebe melden aktuell aus allen Regionen des Kammerbezirks eine hervorragende Geschäftssituation. Die Zufriedenheitswerte reichen von 92 Prozent in der Städteregion Aachen und im Kreis Düren sowie 93 Prozent im Kreis Euskirchen bis zu 96 Prozent im Kreis Heinsberg.

Lehrlinge und Fachkräfte
2019 haben sich bis zum 30. September 2.122 junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk entschieden und einen Lehrvertrag unterschrieben. Das sind 26 und somit 1,21 Prozent weniger als zum Vorjahreszeitpunkt. Zum jetzigen Zeitpunkt können sich das Handwerk in der Städteregion Aachen über 28 neu eingetragene Lehrverträge (+5,98 Prozent mehr als 2018) freuen sowie im Kreis Euskirchen mit neun neuen Auszubildenden (+2,8%).

In der Stellenbörse der Handwerkskammer Aachen und ihrer Tochtergesellschaft QualiTec GmbH sind die meisten freien Stellen für Fachkräfte bei den Elektroinstallateuren, Installateuren und Heizungsbauern sowie Kfz-Mechanikern, Tischlern und Friseuren ausgeschrieben.

5,6 Prozent mehr Umsatz
Auf der Grundlage der letzten Handwerkszählung (2016) wurde eine Hochrechnung für die Zahl der Beschäftigten und die Umsätze im Handwerk des Kammerbezirks Aachen für die Jahre 2017 und 2018 vorgenommen. Für 2018 wird mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent auf 90.296 Beschäftigte und mit einem Umsatzplus von 5,6 Prozent auf 8,57 Milliarden Euro gerechnet. Die Produktivität ist bei den zulassungsfreien Handwerken geringer als bei den zulassungspflichtigen Gewerken, bei denen der Meisterbrief oder eine ähnliche Qualifikation zum Führen eines Betriebes erforderlich ist.

Info: Die Konjunkturumfrage mit regionalen Daten und Grafiken finden Sie im Netz unter
www.hwk-aachen.de/umfragen.