Lediglich bei den industrie- und exportabhängigen Handwerken für den gewerblichen Bedarf ist die Stimmung aufgrund der Unsicherheiten, die aus dem Brexit und der amerikanischen Handels- und Zollpolitik resultieren, gedämpfter.
© Handwerkskammer Aachen

Pessimismus perlt am Handwerk ab

Konjunkturumfrage der Kammer: 92 Prozent der Betriebe sind zufrieden

Pressemitteilung

Aachen. Das Handwerk in der Region Aachen arbeitet weiterhin mit hoher Auslastung und ordentlichen Auftragspolstern. Die Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer zur Konjunktur hat ergeben, dass die Betriebe im Kammerbezirk im Winter keinen Einbruch verzeichneten. 55 Prozent der Unternehmen gaben an, gute Geschäfte gemacht zu haben, weitere 37 Prozent bewerteten die letzten sechs Monate mit „befriedigend“. Bereits das vierte Halbjahr in Folge beurteilen somit nur 8 Prozent der Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage als verschlechtert. Und auch die Erwartungen für das nächste Halbjahr bewegen sich auf Top-Niveau.

„Der aktuell verbreitete Konjunktur-Pessimismus perlt am Handwerk ab“, freut sich Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, über die guten Ergebnisse. „Lediglich bei den industrie- und exportabhängigen Handwerken für den gewerblichen Bedarf ist die Stimmung aufgrund der Unsicherheiten, die aus dem Brexit und der amerikanischen Handels- und Zollpolitik resultieren, gedämpfter. Aber Pessimismus kann man das nicht nennen“, so Deckers. Für das nächste Halbjahr erwarten 29 Prozent der Betriebe eine verbesserte Geschäftslage, 64 Prozent eine gleich bleibende und nur noch 7 Prozent eine schlechtere.

Der Auftragsbestand sank während des Winterhalbjahres nur um einen Punkt auf 83 Prozent. Davon melden 26 Prozent gestiegene und 57 Prozent stabile Volumina. Für die nächsten sechs Monate erwarten 91 Prozent steigende (36 Prozent) oder gleich bleibende (55 Prozent) Auftragseingänge. Die Auftragsreichweiten haben noch einmal deutlich zugelegt und liegen derzeit im Durchschnitt bei 8,6 Wochen (+0,9 Wochen zum Frühjahr 2018). Im Bauhaupt- und im Ausbaugewerbe liegen sie mit 17 beziehungsweise 9,4 Wochen und bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf mit 10,5 Wochen deutlich darüber. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung liegt mit 84,5 Prozent 0,7 Punkte unter dem Wert des Vorjahres.

Der Gesamtumsatz profitiert von der guten Auftragslage: 80 Prozent der Fach-betriebe fuhren entweder bessere (28 Prozent) oder gleich hohe Umsätze (52 Prozent) ein. Die Handwerksunternehmen sind sehr zuversichtlich: 87 Prozent erwarten im Sommerhalbjahr entweder steigende (37 Prozent) oder stabile Umsätze (50 Prozent).

Die Verkaufspreise im Handwerk steigen weiter: 38 Prozent geben an, höhere Preise entweder aufgrund der hohen Nachfrage durchgesetzt zu haben oder weil sie die höheren Beschaffungspreise an die Kunden weitergegeben haben. Bei 59 Prozent der Unternehmen blieben die Preise auf gleichem Niveau. Für die nächsten sechs Monate erwarten 43 Prozent, steigende Preise ansetzen zu können.

Die Investitionsbereitschaft ist auf hohem Niveau gegenüber Herbst 2018 noch mal um zwei Punkte angestiegen. 85 Prozent investierten in neue Maschinen, Räumlichkeiten und digitale Ausstattung. 84 Prozent planen für das nächste Halbjahr höhere oder gleich bleibende Investitionssummen.

Das gute Beschäftigungsklima ist im Winterhalbjahr um vier Punkte auf 86 Prozent gesunken. Für die kommenden sechs Monate sind aber fast alle Handwerksbetriebe zuversichtlich gestimmt, denn 93 Prozent der Chefs beabsichtigen, mehr Fachkräfte einzustellen (17 Prozent) oder die Teamstärken beizubehalten (76 Prozent).

Die einzelnen GewerbegruppenIm Bauhauptgewerbe gab es mit 98 Prozent wieder einen hohen Anteil an positiven Rückmeldungen (Geschäftslage gut oder befriedigend). Der Indikator stieg im Vergleich zum Vorjahr um vier Punkte an. Für das normalerweise stärkere Sommerhalbjahr erwarten 94 Prozent gute oder zufriedenstellende Geschäfte.

Bei den Betrieben des Ausbaugewerbes hat sich die Stimmung nochmals verbessert. Mit 98 Prozent liegt der Gesamtindikator einen Punkt über dem Vorjahreswert. Mit 65 Prozent beurteilt für ein Winterhalbjahr ein sehr großer Teil der Betriebe seinen Geschäftsverlauf mit „gut“, im Frühjahr 2018 waren es „nur“ 53 Prozent. Nach Einschätzung der Chefs geht es so weiter: 96 Prozent rechnen mit besseren oder gleich bleibenden Geschäften.

Bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf ist die Stimmung weiterhin getrübt. 83 Prozent beurteilen ihre Lage mit „gut“ oder „befriedigend“ (-9 Punkte zum Frühjahr 2018). 85 Prozent prognostizieren eine befriedgende oder gute Geschäftsentwicklung.

Das Kfz-Gewerbe sieht Licht am Ende des Tunnels, weil nun klarer ist, wie die aus dem Dieselskandal resultirenden Probleme gelöst werden können. Daher bewerten 87 Prozent der Kfz-Meisterbetriebe die Geschäftslage mit „gut“ (28 Prozent) oder „befriedigend (59 Prozent). Im Frühjahr 2018 lag der Gesamtwert nur bei 76 Prozent! Auf das wirtschaftlich stärkere Sommerhalbjahr blicken mit 94 Prozent sehr viele Kfz-Betriebe geradezu euphorisch. 81 Prozent rechnen mit steigenden oder gleich hohen Umsätzen. Das Schlimmste scheint für das Kfz-Gewerbe überstanden zu sein.

Volle 100 Prozent positive Rückmeldungen gab es im Nahrungsmittelgewerbe. Das ist der gleiche Wert wie im Frühjahr 2018. 43 Prozent machten ein Umsatzplus. Vorausschauend gehen 93 Prozent von einer guten oder zufriedenstellenden Entwicklung ihrer Geschäfte aus. 86 Prozent erwarten einen Zuwachs oder Stabilität bei ihren Aufträgen und Umsätzen.

Das Zufriedenheitsniveau bei den Meisterbetrieben im Gesundheitsgewerbe sank im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt um vier Punkte auf 82 Prozent. Für das kommende Halbjahr herrscht jedoch große Zuversicht, denn 100 Prozent erwarten gute oder zufriedenstellende Geschäfte.Auch bei 86 Prozent der Unternehmen im personenbezogenen Dienstleistungs-gewerbe ist es in den vergangenen sechs Monaten gut gelaufen. Sie profitieren vielfach von der guten und stabilen Konsumlaune ihrer Kunden. Und sie bleiben optimistisch: 92 Prozent erwarten eine gute oder befriedigende Geschäftsentwicklung.

Blick in die Kreise
Während das Handwerk im Kreis Heinsberg mit 97 Prozent positiver Nennungen den Spitzenplatz belegt, rangiert die Einschätzung im Kreis Düren mit 88 Prozent deutlich darunter. Die stärkste Stimmungsaufhellung zum Frühjahr 2018 hat es mit sieben Pluspunkten auf 95 Prozent beim Handwerk im Kreis Euskirchen gegeben. Den besten Umsatzschub verzeichneten die Chefs in der Städteregion Aachen mit einem Saldo von plus zwölf Punkten aus gestiegenen und gesunkenen Erträgen. Danach folgen mit jeweils sieben Punkten die Kreise Heinsberg und Euskirchen. Im Dürener Handwerk scheint es mit minus zwei Prozentpunkten eine leicht rückläufige Tendenz zu geben. Mit Werten von 93 Prozent und mehr gehen alle bis auf die Euskirchener Handwerker (85 Prozent) mit großer Hoffnung auf eine positive Geschäftsentwicklung in das Sommerhalbjahr.

Lehrlinge und Fachkräfte
2018 wurden 2.202 neue Lehrverträge abgeschlossen. Das waren 1,9 Prozent weniger als 2017. Betrachtet man die reinen Handwerksberufe, liegt ein Plus von einem Prozent vor. Das Minus ist auf einen stärkeren Rückgang bei den kaufmännischen Berufen zurückzuführen. Über mehr neue Lehrverträge kann sich das Handwerk im Kreis Euskirchen, in der Stadt Aachen und der übrigen Städteregion freuen. Die Kreis Düren und Heinsberg liegen unter ihren Vorjahreswerten.

Mit einem Plus von 0,1 Prozent hat sich erstmalig seit Jahren die Gesamtzahl der Lehrverträge stabilisiert. „Mitgliedsbetriebe, Kammern und die Gesamtorganisation des Handwerks unternehmen große Anstrengungen, um junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Diese werden nicht nur dringend benötigt, sondern ihnen werden auch interessante Berufe geboten, die keine 08/15-Jobs sind“, schildert Georg Stoffels, Geschäftsführer für Berufsbildung bei der Handwerkskammer, die Situation.

In der Stellenbörse der Handwerkskammer Aachen und ihrer Tochtergesellschaft QualiTec GmbH sind viele freie Stellen für Fachkräfte ausgeschrieben: Die größte Nachfrage besteht nach wie vor bei Elektroinstallateuren, Installateuren und Heizungsbauern, Kfz-Mechanikern, Tischlern und Friseuren.

Der Betriebsbestand im Kammerbezirk hat sich um 0,2 Prozent auf 16.612 verkleinert. Der Rückgang fiel mit 1,4 Prozent im Kreis Düren am größten aus. Leichte Zuwächse gab es dagegen in der Städteregion Aachen und im Kreis Heinsberg.

Info: Die Konjunkturumfrage mit regionalen Daten und Grafiken im Internet unter www.hwk-aachen.de/umfragen