DHB - Ausgabe Januar 2026Editorial: Marco Herwartz und Georg Stoffels
„Day one“ – jeden Tag neu anfangen
Liebe Handwerkerinnen und Handwerker,
heute ist »Day one«. Dieses Mantra von Jeff Bezos hat Amazon geprägt – und zwar nicht nur in den Anfangsjahren des Unternehmens, sondern bis heute. Dahinter steht die Haltung, sich jeden Tag neu zu erfinden, sich immer wieder neu für die Kundinnen und Kunden einzusetzen und sich kontinuierlich zu entwickeln.
Dieser Gedanke lässt sich sehr gut auf das Handwerk – und auch auf die Handwerkskammer – übertragen. »Day one« bedeutet für uns, Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Deshalb hinterfragen wir derzeit zahlreiche Prozesse und Strukturen, testen neue Technologien und entwickeln unsere Angebote weiter, um Ihnen die tägliche Arbeit zu erleichtern.
»Day one« steht aber genauso für das Jahr 2026 – ein Jahr, das uns vor neue politische Herausforderungen stellen und zugleich entscheidende Weichen für die Zukunft unseres Landes und des Handwerks stellen wird. Nach den Kommunalwahlen Ende 2025 werden in den Städten, Gemeinden und Kreisen die neuen politischen Entscheidungstragenden erste Akzente setzen. In Nordrhein-Westfalen ist 2026 das letzte volle Jahr vor der Landtagswahl – und damit die letzte realistische Chance, in relativer politischer Ruhe die noch offenen Aufgaben des Koalitionsvertrags abzuarbeiten.
Auf Bundesebene wiederum wird es nach dem großen Rentenstreit vor Weihnachten um die Umsetzung notwendiger Reformen gehen. Auch hier ist 2026 ein entscheidendes Zeitfenster: Schließlich wählt gut ein Jahr nach Nordrhein-Westfalen auch Bayern einen neuen Landtag. Das heißt, 2027 und 2028 sind tiefgreifende, unpopuläre Reformen politisch kaum noch durchsetzbar.
Für das Handwerk heißt das: 2026 wird ein Jahr intensiver politischer Debatten auf allen Ebenen. Es gilt, frühzeitig Pflöcke einzurammen, sich im Vielklang der Lobbystimmen Gehör zu verschaffen und zentrale Weichenstellungen zu beeinflussen – etwa bei der langfristigen Finanzierung und der dringend notwendigen Sanierung der Bildungszentren des Handwerks.
Dafür brauchen wir auch Sie, liebe Mitglieder. Sie treffen in Ihren Gemeinden, auf Baustellen, in Betrieben und bei vielen anderen Anlässen Politikerinnen und Politiker, die über unsere gemeinsame Zukunft mitentscheiden. Erzählen Sie von der Innovationskraft des Handwerks und von den tiefgreifenden Veränderungen bei der Wirtschaftsmacht von nebenan, die ohne verlässliche politische Rahmenbedingungen nicht gelingen können.
Unsere Köpfe leben von der Wiederholung von Botschaften – und allein in unserem Kammerbezirk gibt es fast 90.000 Stimmen für das Handwerk. Als Chor guter Argumente sind wir nicht zu überhören. Lassen Sie uns also gemeinsam den »Day one«-Song anstimmen.
Marco Herwartz und Georg Stoffels
Präsident und Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen