Zwei Handwerker, zwei Wege, ein Ziel: Jonas Krapp und Anna Schlamann haben auf den Meistertitel hingearbeitet, mit Erfolg. Beide lieben ihr Handwerk und können sich einen Schreibtisch-Job nicht vorstellen.
News vom 18.05.2026Anpacken. Wachsen. Meister sein.
Anna Schlamann und Jonas Krapp gehören zu den Profis, die bei der Meisterfeier der HWK Aachen ausgezeichnet wurden. Ihre Geschichten zeigen, wie viel Perspektive im Handwerk steckt.
Text und Fotos: Doris Schlachter
Anna Schlamann wusste früh, dass sie nicht für einen Schreibtisch gemacht ist. »Ich bin, seit ich denken kann, immer draußen und immer handwerklich unterwegs«, sagt die 26-Jährige aus Hürtgenwald. Anpacken statt Akten, Werkstatt statt Büro: Dieser Weg zeichnete sich bei ihr früh ab. Nach der Realschule Kleinhau und dem Wechsel aufs Gymnasium sammelte sie erste Erfahrungen im Betrieb ihres Onkels, der Metallbauer ist. »Das gefiel mir schon sehr gut.« Doch Drehen und Fräsen allein reichten ihr nicht – sie wollte mehr, sie wollte auch auf Montage.
Den entscheidenden Hinweis bekam sie in der Freiwilligen Feuerwehr Vossenack, in der sie seit ihrer Kindheit aktiv ist. Ein Kollege erzählte ihr, dass CFM Schiller in Roetgen Industriemechaniker ausbildet. Für Schlamann war schnell klar: Das passt. Aus der Auszubildenden wurde dort die Gesellin, dann die stellvertretende Abteilungsleiterin Montage – und seit Ende 2025 ist sie nun auch Feinwerkmechaniker-Meisterin.
Karriere mit Klarheit und Konsequenz
Dass sie den Meister machen würde, stand für sie von Anfang an fest. »Mir war klar, dass ich den Meister mache und nicht immer Geselle bleibe.« Ihr Meister Mario bei Schiller bestärkte sie zusätzlich. Obwohl ihr Betrieb ein Industriebetrieb ist, entschied sie sich bewusst nicht für den Industriemeister, sondern für den Handwerksmeister. »Weil dort das Praktische stärker ausgeprägt ist und man ein gesamtunternehmerisches Verständnis hat, was ich gut finde.«
Die Meisterausbildung absolvierte sie in Teilzeit – parallel zum Beruf. Drei Jahre dauerte das insgesamt, zwei Jahre davon mit voller Belastung: tagsüber von 7 bis 16 Uhr arbeiten, ab 17 Uhr weiter in die Meisterschule der Handwerkskammer Aachen, oft bis 21.30 Uhr. »Ich habe mir in der Zeit ein enormes Wissen aneignen können.« Gleichzeitig verlangte diese Zeit ihr einiges ab. Viel lernen, durchhalten, Zähne zusammenbeißen. »Nach dem Meister weiß man wirklich, wer die Freunde sind«, sagt sie rückblickend mit einem Augenzwinkern. Freizeit war damals Mangelware.
Heute ist Anna Schlamann eine von ganz wenigen Frauen in ihrem Gewerk. Probleme habe sie deshalb bei Schiller nie gehabt, sagt sie. Dass Berufe im Handwerk für viele junge Frauen noch immer wenig sichtbar sind, sieht sie jedoch klar. »Vielen Mädels ist der Beruf einfach nicht bekannt.« Formate wie der Girls’ Day seien deshalb wichtig. Auf ihren Meisterbrief ist sie spürbar stolz: »Er bedeutet mir jede Menge und ich kriege es ehrlich gesagt immer noch nicht gelevelt, dass ich ihn habe.« Und fertig ist sie noch lange nicht. Erst vor Kurzem hat sie zusätzlich den Kranführer-Lehrgang abgeschlossen. »Gedanklich bin ich nie fertig«, sagt sie und lacht.
Jonas Krapp hat seinen Weg ins Handwerk auf eine andere, aber ebenso entschlossene Weise gefunden. Nach dem Abitur hatte der heute 23-Jährige keine Lust auf ein Studium. »Aber ich hatte Lust auf Schweißen.« Dass ihm handwerkliche Arbeit liegt, wusste er da längst: Schon zuvor hatte er seinem Vater und seinem Opa bei vielen praktischen Arbeiten geholfen. Um herauszufinden, ob Handwerk wirklich das Richtige für ihn ist, entschied er sich kurzfristig für ein Praktikum bei Hettwer Metallbau in Aachen. Die Erfahrung überzeugte ihn sofort. Er begann dort seine Ausbildung – mit dem Gedanken: »Studieren kann ich immer noch.«
Vom Praktikanten zum Gesellen zum Meister
Nach drei Jahren Ausbildung, einer vorgezogenen Gesellenprüfung und der Teilnahme am Wettbewerb »Jugend schweißt«, bei dem er bis auf Bezirksebene kam, durfte sich Krapp Metallbauer-Geselle nennen. Lange blieb es dabei allerdings nicht: Schon nach zwei Wochen Gesellenzeit entschied er sich – unterstützt von seinem Ausbildungsbetrieb – für die Meisterschule in Vollzeit. Seit März 2025 hat er den Meister in der Tasche, jetzt arbeitet er als angestellter Meister bei Hettwer. »Es macht mich stolz, den Meisterbrief zu haben«, sagt er bescheiden.
Zurzeit baut er einen Handlauf aus Edelstahl, regelmäßig stehen Montagen und Reparaturen bei privaten und gewerblichen Kunden auf seiner To-do-Liste. Oft geht es um Fenster und Türen, dazu kommen Geländerbau, Schweißarbeiten und ganz unterschiedliche Reparaturen. »Wir decken ein breites Feld ab«, sagt Krapp. Genau diese Mischung aus Werkstatt, Kundenterminen und immer neuen Lösungen gefällt ihm. Sie macht den Beruf für ihn spannend.
Rückhalt bekam er auf seinem Weg vor allem von seiner Familie. »Sie stand immer hinter mir«, betont er. Seine Eltern seien Akademiker und hätten mit dem Handwerk kaum Berührungspunkte gehabt. Doch als sie sahen, wie sehr ihm seine Arbeit liegt, unterstützten sie ihren Sohn von Anfang an. An Selbstständigkeit denkt Krapp noch nicht. Er möchte erst einmal arbeiten, Erfahrungen sammeln und sich fachlich entwickeln.
Gemeinsam mit 261 weiteren Meisterinnen und Meistern sind Anna Schlamann und Jonas Krapp bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Aachen gefeiert worden – als junge Fachkräfte, die täglich zeigen, welche Power im Handwerk steckt.