Geschraubt wird in der Kaserne: Die Technische Schule des Heeres ist mit ihren hochmodernen Werkstätten ideal zur Ausbildung geeignet.
Foto: © Bundeswehr
Geschraubt wird in der Kaserne: Die Technische Schule des Heeres ist mit ihren hochmodernen Werkstätten ideal zur Ausbildung geeignet.

News vom 18.05.2026Bundeswehr und HWK: Seit 20 Jahren ein stabiles Bündnis

Die Handwerkskammer Aachen und die Technische Schule des Heeres bilden in der Donnerberg-Kaserne Soldatinnen und Soldaten zu KFZ-Technikermeistern aus.

Text: Alexander Bank

Wenn der Lkw-Motor erst seltsame Geräusche macht und dann gar nichts mehr, heißt das: Es gibt heute leider keine frischen Möhren im Supermarktregal – oder es droht Lebensgefahr, weil das Fahrzeug olivgrün
lackiert ist und die Bauteile fürs Feldlazarett liefern sollte. Die Bundeswehr setzt zum Teil auf Alltagsfahrzeuge, doch ihre Wartung und fachkundige Reparatur ist noch wichtiger als beim Kühl-Lastwagen, Transporter oder Geländewagen im Alltag. Es geht im Extremfall um Leben und Tod von Soldatinnen und Soldaten.

»Von der Einsatzfähigkeit unserer Fahrzeuge hängt im Krieg nicht nur Erfolg oder Nicht-Erfolg der Operation ab, sondern häufig auch das Überleben auf dem Gefechtsfeld«, sagt Major Marcus Mertens, Inspektionschef der Technischen Schule des Heeres (TSH) mit Hauptsitz in der Aachener Lützow-Kaserne. Positiv formuliert heißt das: Für die Bundeswehr ist es wichtig, optimal qualifizierte Kfz-Meister auszubilden, und dafür braucht sie eine fundierte und intensive Meisterschule – und hier hat sich die Bundeswehr mit der Handwerkskammer Aachen einen kompetenten Partner ins Boot geholt. Die Technische Schule des Heeres kooperiert im ZAW-Bereich sehr eng mit der Kammer. ZAW steht dabei für die »Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung« der Bundeswehr. Entsprechend sagt Mertens: »Unsere Zusammenarbeit ist herausragend.« Auch Wilhelm Grafen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, lobt das »Bündnis« aus Kammer und Bundeswehr als »verlässlich und erfolgreich«. Es sei ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Ausbildung in der Bundeswehr und angesichts der geopolitischen Lage bedeutender denn je. Und die Bilanz der über 20-jährigen Kooperation mit dem Namen »integrative Ausbildung« kann sich sehen lassen: Sie machte gut 1.500 Soldatinnen und Soldaten zu Kfz-Technikermeistern. Diese haben eine Schlüsselfunktion beim Militär, können im Anschluss an ihre Meisterausbildung Zusatzqualifikationen an Waffensystemen erwerben und haben auch zum Ende ihrer militärischen Laufbahn eine sichere Perspektive als zivile Kfz-Meister. Dieser Aspekt ist Wilhelm Grafen wichtig: »Diese Ausbildung ist die Grundlage für eine erfolgreiche Integration der Soldatinnen und Soldaten in das zivile Berufsleben. Das Handwerk schafft stabile Perspektiven im regionalen Arbeitsmarkt und profitiert zugleich von der hohen fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenz der ehemaligen Soldatinnen und Soldaten.« Ende 2001 fanden erste Gespräche zwischen Bundeswehr und Handwerkskammer statt, dann wurden die Anpassung der Zulassungsvoraussetzungen und Inhalte an den militärischen Bedarf festgelegt. Gut drei Jahre später startete der erste Lehrgang.

Die Technik ist in vielen Fällen gleich

Die Formel hinter der Partnerschaft ist einfach: Die Bundeswehr stellt unter anderem die Infrastruktur, das Bildungszentrum TraCK der Handwerkskammer Aachen legt Aufbau und Lernstoff der Meisterausbildung fest. Die Inhalte der Meisterausbildung unterscheiden sich in den Grundlagen kaum: Der besagte Lebensmittel-Laster hat nun einmal in vielen Bereichen die gleiche Technik wie die Zugmaschine für den Panzer-Tieflader, der Geländewagen parkt mit fast der gleichen Technik in ziviler Form vor zahllosen Einfamilienhäusern, Werkstatt-Vorschriften zum Umgang mit Airbags oder Elektrofahrzeugen gelten für die Bundeswehr ebenso im Alltag. Der Mensch, der vorne steht und Wissen vermittelt, ist in den Teilen I und II der Meisterschule entweder ein militärischer Ausbilder der Bundeswehr oder ein ziviler Kollege der Handwerkskammer Aachen. Der vierte Teil (Ausbildereignungsprüfung) liegt vollständig in den Händen der Handwerkskammer.

Die HWK stellt den prüfungsausschuss

Ergänzt wird die Ausbildung im Teil III durch militärische Lehrgänge, die unter anderem die Kosten- und Leistungsrechnung umfassen und von der Bundeswehr angeboten werden. Die HWK beruft zum Abschluss den staatlichen Meisterprüfungsausschuss, dem die gleichen Fachleute angehören wie bei der zivilen Ausbildung zum Kfz-Meister. Ausbildungsräume, die für die Wartung und Reparatur hochwertig ausgestatteten Werkstatthallen sowie die Ausbildungsfahrzeuge in Bundeswehrfarben stellt die Bundeswehr zur Verfügung. Die zur Ausbildung und Prüfung bereitstehende Fahrzeugflotte reicht vom Pkw über Geländewagen bis zur Nachfolgegeneration der MAN-Gelände-Lastwagen, die unter dem Namen HX2 von Rheinmetall produziert werden. Zuhause sind diese Fahrzeuge im TSH-Stützpunkt, unter anderem in der Donnerberg-Kaserne auf der Stadtgrenze zwischen Stolberg und Eschweiler.

Dort stehen auch Pkws aus dem Schulungs-Fuhrpark des HWK-Bildungszentrums TraCK bereit: Vier baugleiche weiße Toyota-Kleinwagen mit markanter QualiTec-Beschriftung und mit Fehlern präpariert, die bei der Prüfung erkannt und behoben werden müssen. Fehlersuche steht auch bei den größeren militärischen Fahrzeugen an, etwa bei der Version des HX2 in der Nachbarhalle: Alle elektrischen und elektronischen Komponenten des Fahrzeuges und das Armaturenbrett sind in einem rollbaren Versuchsstand zusammengefasst. Der große Monitor daneben zeigt die passenden Stromlaufpläne und Steuerkreise und verdeutlicht, wie komplex die Nutzfahrzeugtechnik tatsächlich ist.

Mängel sind ausdrücklich erwünscht: Die Toyotas aus dem TraCK-Fuhrpark werden in Prüfungen zur Fahrzeugdiagnose eingesetzt.
Handwerkskammer Aachen - Alexander Bank
Mängel sind ausdrücklich erwünscht: Die Toyotas aus dem TraCK-Fuhrpark werden in Prüfungen zur Fahrzeugdiagnose eingesetzt.

Der Ort der Meisterschule ist also ein anderer als im zivilen Alltag – und auch die Dauer: Nach acht Monaten sind 1.304 Lerneinheiten absolviert, die Ausbildung ist eine Vollzeitaufgabe, die – nächster Unterschied – bei voller Bezahlung stattfindet. Pro Jahr bieten Bundeswehr und Handwerkskammer am TSH-Standort Aachen vier Lehrgänge für maximal je 24 Soldatinnen und Soldaten an. Das Ergebnis fasst Major Marcus Mertens so zusammen: »Wir sind fachlich herausragend aufgestellt, sodass die Soldaten ihr Wissen schnell in ihren Einheiten einbringen können« und das ist wörtlich gemeint: Nur wenige Tage nach der Bundeswehr-internen Meisterfeier auf dem Donnerberg treten die Kfz-Fachleute ihren Dienst in Kasernen in ganz Deutschland an.