Digitale Anwendungen erleichtern das Handwerkerleben - ob nun im Büro, auf der Baustelle oder beim Kunden.
News vom 16.03.2026Digital geht überall
Im Lager, am Telefon, bei der Personalplanung und unterwegs zum Kunden: Anwendungen für Betriebe, die Zeit und Geld sparen und manchmal auch Fußballturniere retten.
Text: Alexander Bank
Am Stadtrand wird heute ein Energiespeicher für die PV-Anlage installiert, der Azubi kurvt mit dem Firmentransporter erst zum Großhandel, dann zu zwei Kunden und getankt werden muss auch noch, das Telefon klingelt ununterbrochen: Das ist Alltag im Handwerksbetrieb. Digitale Anwendungen machen das Betriebsleben einfacher, strukturierter - und ihr Einsatz spart Geld.
Die folgende Beispiel-Liste soll verdeutlichen: Digitalisierung bedeutet nicht, dass Turnhallen große Serverräume neben der Konditorei hochgezogen werden, IT-Experten mit horrenden Stundensätzen den Betrieb besetzen oder Rudel von Robotern Slalom um die Farbeimer im Maler-Lager fahren. Die Technik kann behutsam im Betrieb Einzug halten und ihren Zweck erfüllen: Den Menschen Arbeit abnehmen, den Alltag im Betrieb sinnvoll strukturieren und dazu noch Zeit und Geld sparen. Natürlich kann eine solche Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben: Die Entwicklung neuer Anwendungen und Einsatzmöglichkeiten digitaler Technik ist viel zu rasant und vielseitig und das Angebot heute schon unüberschaubar.
Kundenkontakt
Eine Telefonanlage mit Anrufbeantworter hilft bei der Kommunikation. Praktisches Beispiel: Der Erstkontakt mit einem Kunden. Wenn er beim ersten Versuch niemanden erreicht, ist er weg – zur Konkurrenz, die den Hörer abnimmt. Ein Anrufbeantworter signalisiert: Wir haben gerade alle Hände voll zu tun, aber wir freuen uns, dass Sie anrufen – und wir rufen zurück (das muss natürlich auch passieren). Die raffiniertere Version ist dann die KI-gestützte Telefonanlage, die die Wünsche des Anrufers erfragt und ihm grundlegende erste Antworten geben kann.
Personalplanung
Urlaubstage, Ferienzeiten und personalintensive Events werden in die Kalendersoftware eingepflegt. So lassen sich Personalengpässe vermeiden und feste Termine im Jahresablauf werden frühzeitig markiert. Praktisches Beispiel: Der Azubi geht montags und mittwochs zur Berufsschule; an diesen Tagen kann der Ausbilder an anderer Stelle eingesetzt werden. Wenn das Fußball-Pfingstturnier mit zwei Grillbuden auf dem örtlichen Aschenplatz stattfindet, wird die Kalendersoftware entsprechend gefüttert und verhindert, dass sich zum Finale zwei von drei Metzgergesellen in den Kurzurlaub verabschieden und in der Wurstküche Hektik ausbricht.
Fuhrparkplanung
KI-unterstützte Routenplanung und die Terminverwaltung lassen sich sinnvoll kombinieren. Praktisches Beispiel: Wenn sich die beiden Transporter des Betriebes auf dem Parkplatz des Großhändlers treffen, ist das erst einmal Anlass zum kurzen Gespräch unter Kollegen mit Kaffee, heißt aber auch, dass einer hier zu viel ist. Fahrten zu Kunden, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt wohnen, können gebündelt werden, die Routenplanung weist auf die neue Großbaustelle am Autobahnkreuz hin und zeigt früh genug Alternativstrecken – und gespart werden Zeit im Stau und bei überflüssigen Fahrten ebenso wie bei der Tankrechnung und der Laufleistung der Firmenwagen. Ach ja: Natürlich kann die Routenplanung auch den Stopp an der derzeit günstigsten Zapfsäule im Umkreis einplanen.
Angebots- und Rechnungserstellung
Smartphone und Tablet auf der Baustelle oder beim Kunden können Daten zum Arbeitsumfang und zur geleisteten Arbeit in Echtzeit ins Büro weiterleiten und der Kunde hat Angebot und Rechnungen schneller auf dem Tisch. Praktisches Beispiel: Wohnzimmer und Küche sollen gestrichen werden. Die Malerin sieht sich vor Ort um, berechnet das benötigte Material und den Zeitaufwand. Entweder hat sie die passende Software auf dem Tablet und kann dem Kunden das Angebot gleich vorlegen – oder sie schickt die Infos ins Büro, das dann das Angebot erstellt. Gleiches gilt für die Rechnungserstellung: Die Wände strahlen wieder, ein Klick aufs Tablet hält die Arbeitszeit fest und der Materialverbrauch wird dokumentiert – und damit ist die Rechnung fertig, wenn die Farbe noch trocknet.
Lagerhaltung
Grundsätze wie »Was knapp wird, muss nachbestellt werden« und »Was länger als ein Jahr liegt, kann weg« lassen sich digital schneller und zuverlässiger einhalten als mit der Strichliste an der Wand. Praktisches Beispiel: Eine intelligente Lager-Software registriert, wenn der Karton mit den Teleskop-Stoßdämpfern ankommt und stockt den Bestand automatisch auf. Wenn das Teil dann fleißig verbaut wird und zur Neige geht, melden Computer oder Tablet: Hier wird’s eng, bitte nachbestellen. Natürlich geht es noch bequemer: Digitale Tools vergleichen in Echtzeit die Großhandelspreise und bestellen den Nachschub dort, wo es am günstigsten ist. Dieses Beispiel verdeutlicht anschaulich: Der nächste Schritt ist immer möglich, noch mehr Vernetzung der digitalen Tools geht immer, weil die Fortentwicklung ein rasantes Tempo hat und Branchenlösungen immer feiner zugeschnitten werden. Daher steht nur eines sicher fest: »Genug Digitalisierung« gibt es nicht.
Das Beraterteam der Handwerkskammer informiert Betriebe über Einsatzmöglichkeiten digitaler Technik. Alle Kontaktdaten gibt es auf Seite 7 dieser Ausgabe. Grundinformationen zum Thema Digitalisierung gibt es beim Zentralverband des Deutschen Handwerks.
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