Udo und Bastian Dohlen der Firma Dohlen Isoliertechnik stehen vor einem Schreibtisch mit mehreren Bildschirmen und einem Laptop. Sie sprechen über Digitalisierung
Handwerkskammer Aachen - Doris Schlachter

News vom 16.03.2026Digitalisierung beginnt im Kopf

Wie zwei Generationen bei Dohlen Isoliertechnik beweisen, dass erfolgreiche Digitalisierung mit Vertrauen, Offenheit und gemeinsamer Haltung beginnt.

Text: Doris Schlachter

Feierabend. Die letzten Mitarbeitenden verlassen das Büro von Dohlen Isoliertechnik in Stolberg-Büsbach, draußen wird es ruhig. Im Besprechungsraum brennt noch Licht. Ein PC mit zwei Bildschirmen, ein Tablet auf dem Tisch, an den Wänden großformatige, knallige Bilder. Die Atmosphäre ist entspannt und familiär.

Udo und Bastian Dohlen sitzen gemeinsam am Tisch, sprechen und lachen miteinander. Vater und Sohn sitzen sich gegenüber – und wirken doch weniger wie zwei Generationen, sondern wie ein eingespieltes Team. Gespräche auf Augenhöhe, kurze Blicke, zustimmendes Nicken. Auch Außenstehende merken schnell: Hier läuft vieles Hand in Hand.

»Digitalisierung beginnt im Kopf«, sagt Udo Dohlen. Für den Geschäftsführer ist das keine Floskel. »Bereit sein, Veränderungen anzunehmen und den Nutzen für den Betrieb zu erkennen«, erklärt der 54-Jährige die Bedeutung hinter dem Gesagten. Erleichterung, Effizienz, bessere Abläufe, keine Technik um der Technik willen – so lässt sich das weitere Gespräch mit den Dohlens zusammenfassen. Bastian Dohlen hat noch einen anderen Blick auf die Transformation im Handwerk: »Für mich bedeutet Digitalisierung auch, eine Brücke zu schlagen zum traditionellen Handwerk und damit zu jüngeren Menschen, um das Handwerk wieder attraktiver zu machen.«

Der Betrieb steht für »Qualität seit 1968«. Rund 40 Mitarbeitende gehören zum Team, die Altersspanne reicht von 16 bis 70 Jahre. Ein generationenübergreifendes Unternehmen – und seit Oktober 2024 auch ein generationenübergreifendes Führungsduo. Bastian Dohlen ist in den Betrieb eingestiegen, um dort die auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung zum Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer zu absolvieren.

Sein Weg dorthin war konsequent geplant. Nach dem Abitur 2021 schloss er ein duales Studium im Management ab, arbeitete parallel im Vertrieb. »Mir war von Anfang an klar, dass ich in den Betrieb einsteigen werde. Ich habe alles darauf ausgerichtet«, sagt der 22-Jährige. Und mehr noch: Parallel zur Ausbildung besucht Bastian berufsbegleitend den Masterstudiengang »Business Consulting & Digital Management«. Theorie, Praxis und Betrieb greifen damit nahtlos ineinander.

Mit KI verknüpft

Dohlen Senior wusste zunächst nicht, dass der Junior in den Betrieb einsteigen würde. »Das kam überraschend, hat mich aber natürlich riesig gefreut.« Die Beiden ergänzen sich sichtbar gut. Der »Chef« bringt Erfahrung und unternehmerisches Gespür ein, der Azubi Prozessdenken und digitale Struktur. »In Sachen Prozessoptimierung ist Basti super«, sagt der »Isoliermeister«. Der relativiert sofort lachend: »Ich weiß auch, dass Digitalisierung immer eine Frage der Wirtschaftlichkeit ist.« Was das konkret heißt, zeigt sich im Alltag. Die bauleitenden Monteure arbeiten inzwischen mit Tablets – standardisiert eingerichtet, mit klar definierten Anwendungen. Herzstück des Wissensmanagements: SharePoint. Dort liegt das gebündelte Firmenwissen – vom Organigramm über Arbeitssicherheit bis zum Qualitätsmanagement und noch viel mehr. »Ein halbes Jahr habe ich mich intensiv damit beschäftigt«, berichtet Bastian. Erste Präsentation beim Vater, dann im engeren Führungskreis, bevor alle in die Anwendung gehen.

Der nächste Schritt: SharePoint wurde mit KI verknüpft. Mitarbeitende können Fragen stellen und erhalten direkte Antworten – auf Basis des hinterlegten Unternehmenswissens. Technische Informationen, Abläufe, Zuständigkeiten. »Irre, was wir da an Zeit sparen«, sagt Udo Dohlen begeistert. Auch auf der Baustelle hat sich die Arbeitsweise verändert. Statt Zettelwirtschaft setzt das Unternehmen auf Fieldwire, eine Software für Baustellenmanagement. Damit sind Pläne, Aufgaben, Dokumentation digital verfügbar, und es gibt nachweislich weniger Rückfragen, weniger Missverständnisse, weniger Fahrten – ein Gamechanger für das Unternehmen.

Und wie funktioniert das in einem Team mit so unterschiedlichen Altersgruppen? »Menschen mitnehmen ist das A und O«, betont der Teamleiter. »Nicht überfordern, sondern abholen, Nutzen bieten, vorleben.« Bei Dohlen heißt das: Feedback statt Verordnung, Austausch statt Entscheidungen von oben herab. Zum Beispiel bei der regelmäßig stattfindenden Betriebsversammlung. »Wir machen Entwicklungen sichtbar und erklären, warum wir Dinge verändern.« Dass der Wandel langfristig gedacht ist, zeigt ein weiterer Meilenstein: Dohlen Isoliertechnik errichtet einen neuen, hochmodernen Firmenstandort in Weisweiler – direkt an der A4 zwischen Aachen und Köln. Der Neubau schafft Raum für optimierte Logistik, digitale Infrastruktur, moderne Arbeitswelten und nachhaltige Energieversorgung. »Unsere strategisch bedeutendste Investition«, betont Udo Dohlen. Der Neubau werde nicht nur funktional optimiert, sondern auch technologisch zukunftsweisend. »Mit digitalen Werbe- und Projekttafeln, neuer Laser-Technik und verstärkter Vernetzung bauen wir ein starkes Fundament für die zukünftige Infrastruktur der Firma«, so Dohlen.

Die wichtigste Erkenntnis dieses Abends bleibt jedoch eine andere: Digitalisierung beginnt nicht mit Tablets, Plattformen oder KI. Sondern mit einer simplen, aber entscheidenden Frage: »Was bringt mir die Veränderung?« Oder, wie Udo Dohlen es auf den Punkt bringt: »Es muss dem Betrieb Nutzen bringen. Und das Team muss mit.«