DHB-Ausgabe Oktober 2026Editorial: Marco Herwartz
Wir brauchen weiterhin gelebtes Miteinander
»Ich mache das.« Ein einfacher Satz – und doch steckt in ihm eine große Haltung. Denn ein Ehrenamt beginnt selten mit großem Tamtam. Es beginnt oft leise: mit der Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen.
Genau davon lebt unser Handwerk. Von Menschen, die nicht nur fragen, was andere tun können, sondern selbst anpacken. In Prüfungsausschüssen, Innungen, Gremien der Handwerkskammer, in der beruflichen Bildung und in vielen weiteren Bereichen engagieren sich Handwerkerinnen und Handwerker für die Zukunft unseres Wirtschaftsbereichs und der ganzen Gesellschaft. Allein bei der freiwilligen Feuerwehr hat schätzungsweise jeder zweite Ehrenamtler einen handwerklichen Hintergrund. Sie machen das neben Betrieb, Beruf, Familie und vielen anderen Verpflichtungen. Das ist alles andere als selbstverständlich.
Zahlen können dieses Engagement nur annähernd beschreiben. Rund 27 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland freiwillig. In NRW ist laut EhrenamtAtlas mehr als jede zweite erwachsene Person ehrenamtlich tätig und bei uns sind die Zahlen sogar noch etwas höher: Aachen und Düren liegen jeweils bei 58 Prozent, Heinsberg bei 60 Prozent, Euskirchen bei 54 Prozent. Das sind beeindruckende Werte. Und hinter jedem Einsatz steht die Überzeugung: Gemeinschaft entsteht nicht von allein. Sie entsteht dort, wo Menschen Zeit, Erfahrung und Leidenschaft einbringen.
Für das Handwerk ist dieses Ehrenamt unverzichtbar. Wer in einem Prüfungsausschuss mitarbeitet, bewertet nicht einfach Leistungen. Er oder sie öffnet jungen Menschen Türen, sorgt für faire Prüfungen und sichert die Qualität, für die unser Handwerk steht. Für mich war die Mitarbeit im Prüfungsausschuss kurz nach meiner Meisterprüfung der erste Berührungspunkt mit dem Ehrenamt und seitdem bin ich überzeugter Ehrenamtler. Wer sich in der Selbstverwaltung engagiert, bringt die Stimme der Praxis ein. Dort wird deutlich, was in den Betrieben funktioniert, wo Unterstützung gebraucht wird und welche Lösungen wirklich zum Handwerk passen.
Das ist eine besondere Stärke unseres Systems: Das Handwerk wartet nicht darauf, dass andere seine Angelegenheiten regeln. Es organisiert sich selbst. Es übernimmt Verantwortung für Ausbildung, Qualität, Interessenvertretung und Gemeinschaft. Möglich wird das nur durch Menschen, die sagen: Ich mache das. Dafür möchte ich von Herzen Danke sagen. Danke für Ihre Zeit, Ihre Fachkompetenz, Ihre Geduld und Ihre Klarheit. Danke für Ihre Bereitschaft, auch dann Verantwortung zu übernehmen, wenn niemand Sie dazu verpflichtet. Und ich danke auch den Betrieben, die ihre Mitarbeitenden für diese wichtige ehrenamtliche Arbeit freistellen. Das ist gelebtes Miteinander im Handwerk.
MARCO HERWARTZ
PRÄSIDENT DER HANDWERKSKAMMER AACHEN