DHB - Ausgabe August 2026Editorial: Präsident Marco Herwartz

Interessenvertretung ist unsere zentrale Aufgabe

Liebe Handwerkerinnen und Handwerker, 

allein im Lobbyregister beim Deutschen Bundestag sind 6.220 Interessenvertreterinnen und Interessenvertreter eingetragen. Rechnerisch kommen damit auf jedes Bundestagsmandat rund zehn Lobbyorganisationen, die ihre Anliegen vortragen. In diesem Vielklang der Stimmen ist es umso wichtiger, dass auch das Handwerk seine Interessen klar, beharrlich und vernehmbar einbringt.

Deshalb gehört Interessenvertretung zu den zentralen Aufgaben der Handwerksorganisationen. Nahezu täglich ist der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin im Gespräch mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern in Regierung und Bundestag. Ebenso steht die Handwerkskammer Aachen im ständigen Austausch mit den Landtags- und Bundestagsabgeordneten des Kammerbezirks sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der Landkreise und Kommunen. Viele dieser Gespräche finden nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit statt. Doch gerade diese Vertraulichkeit öffnet Türen – und schafft die Grundlage dafür, dass Anliegen des Handwerks Gehör finden.

Am Ende muss sich jede Interessenvertretung an ihren Ergebnissen messen lassen. Und gerade in diesen Tagen zeigt sich die Schlagkraft des Handwerks. In den Diskussionen zur Sanierung des Bundeshaushalts stand lange die vollständige Abschaffung des 20-prozentigen Steuerbonus für Handwerksleistungen im Raum. Durch den Einsatz der Handwerksorganisationen konnte dieses Damoklesschwert abgewendet werden. Auch die lange diskutierte Erhöhung der Spitzensteuersätze verschwand wieder in den Schubladen. Für 76 Prozent der Betriebe hätte dies eine deutliche Steuererhöhung bedeutet.

Genauso bewegt sich viel auf landespolitischer Ebene – etwa durch den gemeinsamen Einsatz über den Westdeutschen Handwerkskammertag. Die bessere Absicherung schwangerer Selbstständiger steht endlich weit oben auf der landespolitischen Tagesordnung. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur präsentierte Anfang Juli in Berlin entsprechende Vorschläge.

Und auch vor Ort kommt Bewegung in handwerkspolitisch wichtige Themen: Nach Jahren teils schwer nachvollziehbarer Diskussionen um Handwerkerparkausweise gibt es in Aachen neue Dynamik. Pragmatische Lösungen statt Ideologie stehen nach konstruktiven Gesprächen mit der Stadtspitze nun im Mittelpunkt des Verwaltungshandelns.

All dies ist nur möglich, weil sich die Handwerksorganisationen tagtäglich intensiv für die Interessen des Handwerks einsetzen. Ohne Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften und Fachverbände würden in der Politik vor allem die Stimmen großer Konzerne gehört. Die hunderttausenden kleinen und mittleren Handwerksbetriebe brauchen deshalb eine starke, verlässliche und gut vernetzte Interessenvertretung – heute mehr denn je.

MARCO HERWARTZ
PRÄSIDENT DER HANDWERKSKAMMER AACHEN