DHB - Ausgabe Juni 2026Editorial: Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser
AUSBILDUNG BAUT ZUKUNFT
Liebe Handwerkerinnen und Handwerker,
wer über die Zukunft des Handwerks spricht, kann über Ausbildung nicht schweigen. Ausbildung ist mehr als Nachwuchssicherung: Sie ist das Versprechen, dass junge Menschen Perspektiven bekommen und auch über sich hinauswachsen können – im Betrieb, auf der Baustelle, für unser Land.
Gerade die Bauberufe zeigen, wie stark sich berufliche Bildung wandelt. Zum 1. August 2026 treten 19 modernisierte Ausbildungsordnungen in Kraft – drei zweijährige und 16 dreijährige Berufe in Ausbau, Hochbau und Tiefbau. Die Ausbildung wird damit auf Klimaschutz, Energieeffizienz, Bauen im Bestand, nachhaltige Baustoffe und digitale Prozesse ausgerichtet. Wer Gebäude ertüchtigt, Bauwerke errichtet oder Gleise baut, schafft Infrastruktur, von der wir alle profitieren.
Diese Reform ist mehr als eine fachliche Aktualisierung. Sie ist ein Beitrag in Richtung einer resilienten Berufsbildung. Eine Arbeitswelt, die sich durch Digitalisierung, KI, Demografie und grüne Transformation verändert, braucht ein System, das Unsicherheit nicht nur aushält, sondern sich unter unsicheren Bedingungen weiterentwickeln kann. Berufliche Bildung muss deshalb flexibler, inklusiver und exzellenter werden.
Die modernisierten Bauberufe zeigen, wie das gelingen kann: durch zukunftsoffene Kompetenzen, Durchlässigkeit und klare Qualitätsstandards. Die neue gestreckte Gesellenprüfung motiviert Auszubildende, schon im Verlauf der Ausbildung Leistungen zu zeigen, die in die Endnote einfließen. Das Anrechnungsmodell stärkt den Übergang von der zweijährigen in die dreijährige Ausbildung: Wer erfolgreich abschließt, kann weiterlernen und den dreijährigen Gesellenabschluss erlangen.
Resilienz als Ausbildungsziel kommt aber nicht allein durch neue Ausbildungsordnungen zustande. Sie entsteht ferner durch Menschen und Institutionen, die Verantwortung übernehmen: durch Ausbilderinnen und Ausbilder, Betriebe, Kammern, Berufsschulen und Bildungsstätten. Entscheidend werden in diesem Zusammenhang die Förderung von Problemlösefähigkeit, digitale Souveränität, Nachhaltigkeitskompetenz und Teamarbeit sein.
Mein Dank gilt mithin allen, die ausbilden. Sie sichern Fachkräfte, stärken Wettbewerbsfähigkeit, fördern Zusammenhalt. Sie bauen nicht bloß Häuser und Netze – sie bauen Zukunft.
PROF. DR. FRIEDRICH HUBERT ESSER
PRÄSIDENT DES BUNDESINSTITUTS FÜR BERUFSBILDUNG (BIBB)