DHB - Ausgabe Mai 2026Editorial: Richard Graf
Mehr Meisterinnen und Meister braucht das Land
Der Meisterbrief ist und bleibt das starke Zeichen im Handwerk. Er steht für Exzellenz, Verantwortungsbewusstsein, unternehmerisches Denken und die Bereitschaft, den eigenen Berufsweg aktiv zu gestalten. Wer den Meister macht, investiert nicht nur in die persönliche Zukunft, sondern auch in die Zukunft des Handwerks.
Gerade in einer Zeit, in der viele Betriebe Fach- und Führungskräfte suchen, ist die Meisterqualifikation wichtiger denn je. Sie eröffnet neue Perspektiven: von der Übernahme verantwortungsvoller Aufgaben im Betrieb über die Gründung eines eigenen Unternehmens bis hin zur Ausbildung der nächsten Generation und des Nachwuchses für die gesamte gewerbliche Wirtschaft. Die hohe Ausbildungsbereitschaft und -leistung des Handwerks trägt mit zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit bei und sichert die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in erheblichem Maße.
Wie stark dieser Weg angenommen wird, zeigt sich auch in unserer Region: 263 Handwerkerinnen und Handwerker haben kürzlich auf der Bühne der Stadthalle Alsdorf den Meisterbrief persönlich vom HWK-Präsidenten überreicht bekommen. Um die Qualität im Handwerk zu sichern, braucht es Betriebe, die ihre Gesellinnen und Gesellen ermutigen, die Meisterschule zu besuchen – und sie dabei aktiv unterstützen: durch Freistellungen, flexible Arbeitszeiten oder finanzielle Beteiligung. Wer Mitarbeitende gezielt fördert, stärkt den eigenen Betrieb und schafft die Grundlage für langfristigen Erfolg.
Und der Meisterbrief ist keineswegs das Ende der Entwicklung. Mit den Angeboten an der Akademie für Handwerksdesign auf Gut Rosenberg bestehen Möglichkeiten, handwerkliche Kompetenz mit Gestaltung, Kreativität und Unternehmensführung zu verbinden. Auch darüber hinaus bietet die höhere Berufsbildung im Handwerk weitere Qualifizierungswege. Die bestandene Meisterprüfung ermöglicht auch den Zugang zum Studium in jedem Studiengang an Universitäten und Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen.
Der Meister ist dem Bachelor-Niveau gleichwertig, der Geprüfte Betriebswirt nach der Handwerksordnung dem Master-Niveau. Gleichwertig heißt dabei nicht gleichartig: Der berufliche Weg bleibt eigenständig, praxisnah und unternehmerisch geprägt – und ist gerade deshalb so wertvoll.
Damit Meisterschulen auch künftig stark bleiben, brauchen wir jedoch nicht nur motivierte Teilnehmende, sondern auch erfahrene Praktikerinnen und Praktiker, die ihr Wissen als Dozentinnen und Dozenten, Prüferinnen und Prüfer weitergeben. Meisterschulen leben von Menschen, die ihr Handwerk beherrschen und ihre Erfahrung an die nächste Generation weiterreichen wollen. Wer unterrichtet oder prüft, vermittelt nicht nur Fachwissen, sondern prägt die nächste Generation des Handwerks. Auch das ist meisterhaft.