News vom 15.10.2026Ehrensache für 33 Frauen und Männer
Handwerkskammer Aachen würdigt langjähriges Ehrenamt
Was haben Barack Obama und das Handwerk gemeinsam? Und warum war das überhaupt ein Thema beim »Tag des Ehrenamtes«, den die Handwerkskammer Aachen zu Ehren der Frauen und Männer veranstaltet hatte, die sich Tag für Tag fürs Handwerk engagieren? Die Antwort darauf gab es im Laufe des Abends – und sie führte mitten hinein in die Frage, was das deutsche Handwerk eigentlich so besonders macht. Zunächst aber standen auf Gut Hebscheid diejenigen im Mittelpunkt, ohne deren Engagement vieles davon gar nicht möglich wäre: die Ehrenamtlichen.
15 Pins in Gold und 18 in Silber verlieh die Handwerkskammer Aachen an Frauen und Männer, die sich seit vielen Jahren freiwillig und mit großer Verlässlichkeit für das Handwerk engagieren. Geehrt wurden Mitglieder von Gesellen-, Meister-, Abschluss- und Fortbildungsprüfungsausschüssen, die seit mindestens 25 beziehungsweise 15 Jahren Verantwortung übernehmen und damit einen wichtigen Beitrag zur Qualität der beruflichen Bildung leisten.
Handwerkskammer-Präsident Marco Herwartz und Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels dankten den Geehrten für ihren langjährigen Einsatz, ihre Fachkompetenz und ihre Bereitschaft, Zeit und Erfahrung in den Dienst des Handwerks zu stellen. Denn selbstverständlich ist dieses Engagement nicht. Viele Ehrenamtliche bringen sich neben Beruf, Betrieb, Familie und weiteren Verpflichtungen ein – und das oft über Jahrzehnte hinweg.
»Wer Zeit schenkt, schenkt immer auch ein Stück Leben. Ihre Auszeichnung kann nicht jede Stunde und jede Mühe abbilden, aber sie soll deutlich machen: Wir sehen, was Sie leisten. Wir wissen, wie wichtig Ihr Beitrag ist. Und wir sind stolz darauf, dass Sie Teil unserer Handwerksfamilie sind«, betonte Marco Herwartz.
Das Ehrenamt sei eine tragende Säule der handwerklichen Selbstverwaltung. Ohne Prüferinnen und Prüfer sowie die vielen Engagierten in Ausschüssen, Gremien, Innungen und Kreishandwerkerschaften könne das Handwerk seine Aufgaben in Ausbildung, Qualitätssicherung und Interessenvertretung nicht in dieser Form erfüllen. Gerade im Prüfungswesen gehe es um weit mehr als um Noten: Wer prüfe, öffne jungen Menschen Türen, bewerte Leistungen fair und sichere damit auch die Zukunftsfähigkeit des Handwerks.
Und hier kam Barack Obama ins Spiel. Herwartz verwies auf die duale Berufsausbildung »made in Germany«, die international einen hohen Stellenwert genieße. »Schon Barack Obama hat versucht, das zu kopieren, weil er wusste, dass es genau das Richtige für die amerikanische Wirtschaft ist«, sagte der Kammerpräsident. Dass sich ein solches System nicht einfach übertragen lasse, liege auch daran, dass dahinter über viele Jahre gewachsene Strukturen stünden – Strukturen, die ohne ehrenamtliches Engagement nicht funktionieren würden.
Auch Redakteur und Autor Ronald Larmann griff den Wert des Ehrenamtes auf besondere Weise auf. Mit einer persönlichen Geschichte und einem Zollstock machte er anschaulich, wie viel Engagement und Ausdauer hinter dem freiwilligen Einsatz für das Handwerk stecken – Ehrenamt sei eben »das Maß der Dinge«. Dabei wurde deutlich: Ehrenamt lässt sich nicht allein in Stunden, Jahren oder Zahlen messen. Es lebt von Menschen, die sagen: »Ich mache das« – und Verantwortung übernehmen, wenn sie gebraucht werden.
Die Geehrten
- Metallbauermeister und Betriebswirt Artur Coenen aus Geilenkirchen
- Kraftfahrzeugtechnikermeister Günter Friederichs, Heinsberg
- Lutz Genert, Simmerath
- Dr. Peter Heyde, Wassenberg
- Frank von der Loo, Waldfeucht
- Oberstudienrat Jörg Moss, Herzogenrath
- Studiendirektor Josef Peters, Aachen
- Konditormeister Hubertus Schmitz, Geilenkirchen
- Friseurmeisterin Andrea Struck, Heinsberg
- Jakob Teichmann, Monschau
- Franz J. Vossenberger, Aachen
- Dipl.-Ing. Friedhelm Welter, Gangelt
- Kraftfahrzeugtechnikermeister Uwe Welter, Gangelt
- Konditormeister Walter Willems, Simmerath
- Oberstudienrat Christoph Wilms, Hückelhoven
- Friseurmeister René Anschütz aus Aachen
- Maler- und Lackierermeister Axel Bremen, Erkelenz
- Kraftfahrzeugtechnikermeister Karl-Heinz Büttgens, Aachen
- Elektromaschinenbauermeister Elmar Dohmen, Heinsberg
- Kraftfahrzeugtechnikermeister Holger Hansen, Düren
- Installateur- und Heizungsbauermeister Achim Lenzen, Erkelenz
- Kraftfahrzeugtechnikermeister Peter Lorenz, Titz
- Jonas Merx, Aachen
- Elektrotechnikermeister Ivo Meuwissen, Selfkant
- Oberstudienrätin Stefanie Neuser, Geilenkirchen
- Maler- und Lackierermeister Horst Oetz, Bad Münstereifel
- Tanja Pyro-Bahr, Aachen
- Thomas Schupp, Stolberg
- Markus Schüring, Erkelenz
- Tischlermeister Frank Tagliatesta, Jülich
- Doris Wisse, Aachen
- Deniz Yilmaz, Niederzier
- Marcel Zimmermanns, Düren
Warum sie sich engagieren?
Was dieses Ehrenamt für die Menschen bedeutet, die es ausüben, sagten drei der Geehrten.
Hubertus Schmitz, 60 Jahre, ist Konditormeister und Inhaber von Café und Konditorei Schleypen in Geilenkirchen. Seit mehr als 25 Jahren engagiert er sich als Lehrlingswart und in den Prüfungsausschüssen des Aachener Konditorenhandwerks. »Die Mitgestaltung unseres Berufes – zusammen mit Lehrern und Arbeitnehmervertretern – war mir immer ein Anliegen. Ich denke und hoffe, dass wir unseren Beruf nach vorne gebracht haben. Für mich ist es besonders schön zu sehen, wie Auszubildende mit ihren Prüfungsarbeiten über sich selbst hinauswachsen. Immer eine Freude.«
Der 59-jährige Tischlermeister Frank Tagliatesta aus Jülich ist seit mehr als 15 Jahren Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss. Zudem engagiert er sich seit zehn Jahren als Lehrlingswart im Tischlerhandwerk für den Kreis Düren-Jülich. »Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, mich ehrenamtlich zu engagieren. Ich bilde schon seit 30 Jahren aus und finde es wichtig, gute Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Zu einer guten Ausbildung zählt aber auch eine gute Betreuung durch den Prüfungsausschuss.«
Axel Bremen, Obermeister der Maler- und Lackiererinnung Heinsberg, bindet das Ehrenamt sogar in seinen Betrieb ein: »Ich bin nicht nur selbst im Gesellenprüfungsausschuss, sondern auch drei meiner Mitarbeiter. Für mich ist es einfach eine Ehrensache, für den Nachwuchs mitwirken zu können und gleichzeitig selbst immer up to date zu sein. Die Nähe zu den Lehrern, den Kollegen und den Auszubildenden ist mir einfach wichtig.«