News vom 15.10.2026Entwicklungshilfe mit Honig, Holz und Hochvolt
Der Dürener Elektromeister Bernd Ohlemeyer engagiert sich ehrenamtlich für die Elfenbeinküste
Jetzt ist er vom Westdeutschen Handwerkstag ausgezeichnet worden.
Bernd Ohlemeyer könnte lamentieren über die Ungleichheit der Welt. Stattdessen leistet er ehrenamtliche Entwicklungsarbeit in der Elfenbeinküste – und holt junge Menschen von dort nach Deutschland, damit sie eine qualifizierte Ausbildung bekommen.
Der 65-jährige Ohlemeyer ist seit 1984 selbstständiger Handwerksmeister. Er führt seinen Elektrotechnik-Betrieb seit 1989 und holte schon früh Azubis und Arbeitskräfte mit ausländischen Wurzeln in den Betrieb. Er zählt die Herkunftsländer auf: Polen, Türkei, Italien, Albanien, Marokko – und so weiter. Beim Nachrechnen kommt er auf 30 Nationen. »Ich habe gut 130 junge Leute ausgebildet. Ich glaube, das ist für einen Betrieb mit heute 28 Mitarbeitern schon ziemlich viel.« Rückschlägen und bürokratischen Hürden setzt er ein schlichtes Credo entgegen: »Das alles erschüttert uns nicht, wir machen fleißig weiter und bilden auch fleißig aus.«
Der Azubi aus Marokko lieferte geographisch die Vorlage für sein nächstes Projekt: »Irgendwann habe ich mich um das Projekt Entwicklungshilfe in Afrika gekümmert, weil ich das immer schon für sinnvoll hielt.« Ohlemeyer ging es gewohnt pragmatisch an. Sein Vorgehen, verkürzt dargestellt: Hinfahren, herausfinden, was die Leute vor Ort brauchen, anfangen. Vom Ansatz »Geld hinschicken« hält er nichts: »Das landet bei den Leuten, die schon viel Geld haben. Und die, die es brauchen, bekommen nichts.«
Seit 2016 hat das Afrika-Engagement ein Dach, wörtlich genommen: »Ein Dach für Afrika« heißt der Dürener Verein, dessen Vorsitzender Bernd Ohlemeyer ist. Er zeigt Bilder, die die Arbeit in der Republik Elfenbeinküste beschreiben: Die Schule in der Gemeinde Assikoi bekam ein neues Dach, im Nachbardorf gibt es eine Imkerei mit angeschlossener Schreinerei, die Baumschule zieht Akazienpflanzen heran und liefert Saatgut, der Bereich Elektrotechnik baut eine autarke Stromversorgung für Haushalte, Schulen und Betriebe der Region auf. Die Projekte sind eng verknüpft. Ein Beispiel: Nur mit sicherem Stromnetz funktionieren die Sägen der Schreinerei, dort werden die Bruträhmchen und Bienenkästen für die Imker gefertigt und die Baumschule liefert die Akazien, die die Bienen lieben und aus deren Blüten sie prächtigen Honig erzeugen. »Wir bilden vor Ort Leute im handwerklichen Bereich aus. Dieses Wissen können sie nutzen, um ihre Familien zu ernähren.« Das ist für Bernd Ohlemeyer die Grundidee der Vereinsarbeit.
Immer mehr Projekte
Die Liste der Projekte ist inzwischen gewachsen: Eine Hühner- und Kaninchenzucht gibt es, eine Düngeproduktion und eine Maniokverarbeitung, in der hauptsächlich Frauen arbeiten. Der Handwerker, Meister und Betriebsinhaber Bernd Ohlemeyer ist geschätzte »14 bis 15 Wochen im Jahr« im westafrikanischen Land.Möglich ist das durch sein Team im Betrieb in Düren, auf das er sichtlich stolz ist. Die bald anstehende Unternehmensnachfolge ist auch längst geregelt. Ohlemeyer hat also Zeit, sein Fachwissen in Afrika einzubringen: »Ich habe in der Stadt Abidjan ein Gebäude errichtet, um dort Photovoltaiktechniker auszubilden. Weil ich aber nicht ständig vor Ort bin, hat sich die Ausbildungsarbeit als schwierig erwiesen.« Das ließ ihm keine Ruhe: »Ich habe mir gesagt: Es muss einen anderen Weg geben, um die Leute ordentlich auszubilden.«
Also suchte er vor Ort junge Leute mit Deutsch-Sprachkenntnissen oder dem Willen, Deutsch zu lernen. Das Ergebnis: Seit drei Jahren bildet er sie in seinem Dürener Betrieb aus. »Derzeit gibt es eine Gruppe aus drei Leuten, die im Dezember ihre Ausbildung abschließen. Die zweite Gruppe wird im nächsten Jahr fertig. Wir stellen jedes Jahr neue Leute ein. Das funktioniert bislang wirklich gut.« Ohlemeyer nutzt zur Azubi-Findung vor Ort ein wachsendes Netzwerk: »Partner vor Ort treffen eine Vorauswahl. Darunter ist ein Deutsch-Professor der Universität Abidjan.«
Sein Urteil garantiert die sprachlichen Fähigkeiten der Azubis und führte dazu, dass Ohlemeyer in seinem Betrieb zwei junge Afrikaner ausbildet, die einen – auch in Deutschland anerkannten – Masterabschluss in Germanistik in der Tasche haben. Welche Zukunft sieht er für die Azubis nach dem Abschluss? »Für mich zählt in erster Linie, dass die jungen Leute eine Ausbildung bekommen. Wenn einer nach der Ausbildung hier in Deutschland bleiben möchte, dann freut mich das. Aber wenn sie danach nach Afrika zurückgehen, dann tun sie damit ja auch ein gutes Werk.«