Führungswechsel: Nach acht Jahren gibt Michael Mahr (links) sein Amt als Vorsitzender der Stiftergemeinschaft für das Handwerk in der Region Aachen an Peter Effenberg ab.

News vom 15.10.2026Erfahrung weitergeben, Zukunft gestalten

Nach acht Jahren hat Michael Mahr den Vorsitz der Stiftergemeinschaft für das Handwerk in der Region Aachen an Peter Effenberg übergeben

Im Doppelinterview sprechen beide über die Bedeutung der Gemeinschaft, über Netzwerke und Nachwuchsförderung – und darüber, warum das Handwerk auch künftig Menschen braucht, die sich ehrenamtlich engagieren.

Herr Mahr, Sie haben die Stiftergemeinschaft acht Jahre lang geführt. Was bleibt Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung?

Michael Mahr: Vor allem die Menschen. Die Möglichkeit, mit Menschen zusammenzukommen, die im Handwerk denken, selbst Handwerk ausüben und sich für das Handwerk engagieren, war für mich das Wertvollste in den acht Jahren. Ich komme ursprünglich stark aus der Industrie und habe dort viele Jahrzehnte in der Verbandsarbeit mitwirken dürfen. Das war eine gute Zeit. Später dann auch die Strukturen des Handwerks intensiv kennenzulernen, war für mich ein großes Glück. Es gibt unterschiedliche Denkweisen und Strukturen, aber auch viele gemeinsame Interessen.

Als Sie den Vorsitz übernommen haben: Wollten Sie der Stiftergemeinschaft sofort Ihren eigenen Stempel aufdrücken?

Mahr: Nein. Wenn man aus einem anderen Bereich kommt, kann man nicht hineingehen und den Menschen, die dort seit Jahrzehnten arbeiten, erst einmal erklären, wie alles besser funktioniert. Ich habe deshalb bewusst auf Kontinuität gesetzt. Die Stiftergemeinschaft war gut aufgestellt. Gleichzeitig haben wir im Laufe der Jahre gesehen, dass es bei der Wahrnehmung und der Ausrichtung noch Entwicklungsmöglichkeiten gibt.

Welche sind das?

Mahr: Die Akademie für Handwerksdesign der Handwerkskammer Aachen, Gut Rosenberg, ist für die Stiftergemeinschaft von großer Bedeutung und verdient diese Unterstützung auch. Die Handwerkskammer und das Handwerk in unserer Region bestehen aber aus sehr viel mehr. Wir haben viele Gewerke, Bildungszentren und Tausende Auszubildende. Deshalb halte ich es für richtig, die Förderung künftig noch breiter im Handwerk sichtbar zu machen.

Herr Effenberg, genau dort möchten Sie als neuer Vorsitzender ansetzen?

Peter Effenberg: Ja. Ich war viele Jahre Arbeitnehmervertreter der HWK-Vollversammlung, dort auch im Vorstand in den letzten Jahren und habe so auch die Entwicklung der Stiftergemeinschaft miterlebt. Ich bin immer noch Mitglied der Vollversammlung, nur aus dem Vorstand bin ich ausgeschieden. Gut Rosenberg bleibt weiterhin wichtig. Gleichzeitig möchte ich als neuer Vorsitzender die Aktivitäten breiter aufstellen und stärker schauen, wo wir auch andere Bereiche unterstützen können. Ein Beispiel könnte das Bildungszentrum BGZ Simmerath sein, wo viele Bauberufe angesiedelt sind. Gerade dort spielt Innovation eine große Rolle. Wenn sich Möglichkeiten ergeben, Bildungsarbeit und Stiftergemeinschaft noch stärker miteinander zu verbinden, wäre das eine gute Entwicklung. Konkrete Projekte sind aber noch nicht beschlossen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Mitgliedergewinnung. Die Stiftergemeinschaft kann nur fördern, wenn Menschen und Betriebe bereit sind, sie zu unterstützen.

Warum sollte ein Handwerksbetrieb Mitglied der Stiftergemeinschaft werden?

Effenberg: Weil die Unterstützung wieder dem Handwerk und damit auch den Betrieben zugutekommt. Wenn wir beispielsweise Ausbildung fördern, Bildungszentren unterstützen oder dazu beitragen, dass junge Menschen an modernen Technologien ausgebildet werden, profitieren davon später auch die Betriebe. Gut ausgebildete Nachwuchskräfte kommen zurück in die Unternehmen. Das ist eine Win-win-Situation.
Und Handwerk lebt vom Zusammenhalt. Die Stiftergemeinschaft kann auch ein Netzwerk sein, in dem Menschen aus unterschiedlichen Gewerken miteinander ins Gespräch kommen.

Mahr: Dieses Netzwerk ist enorm wichtig. Gute Arbeit allein reicht im Unternehmerleben nicht. Man braucht auch Menschen, die wissen, was man kann, die einen weiterempfehlen oder bei einer Frage helfen können. Im Handwerk funktioniert vieles über persönliche Kontakte und gegenseitige Unterstützung. Wer sich engagiert, baut solche Verbindungen automatisch mit auf.

Herr Effenberg, Ihr eigener Weg ins Ehrenamt begann vor mehr als 45 Jahren eher zufällig.

Effenberg: Ja. Ende der 1970er-Jahre wurden Arbeitnehmervertreter für die Vollversammlung gesucht. Mein damaliger Chef sagte irgendwann sinngemäß: »Geh du da mal hin.« Ich wusste anfangs überhaupt nicht, was mich dort erwartet. Da wurde über Haushaltspläne, Ausbildung und ganz unterschiedliche Gewerke gesprochen, von denen ich wenig Ahnung hatte.
Nach fünf Jahren stand die nächste Wahl an und mein Chef meinte, jetzt sei es genug. Aber da hatte ich längst Spaß daran gefunden und wollte weitermachen. So ist aus einem ersten Schritt ein großer Teil meines Lebens geworden. Heute sehe ich meine Aufgabe auch darin, Erfahrungen weiterzugeben.

Was müssen Betriebe tun, damit auch künftig genügend Menschen bereit sind, Verantwortung im Handwerk zu übernehmen?

Effenberg: Sie müssen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich einzubringen. Das Handwerk funktioniert nicht ohne Ehrenamt. Viele Entscheidungen und Entwicklungen entstehen, weil Unternehmer und Arbeitnehmer ihre Erfahrung einbringen. Die Zukunft des Handwerks dürfen wir nicht allein anderen überlassen – wir müssen sie selbst mitgestalten.
Gleichzeitig wird es schwieriger, Menschen für ein langfristiges Engagement zu gewinnen. Viele möchten sich heute eher projektbezogen und für einen überschaubaren Zeitraum festlegen. Umso wichtiger ist es, Menschen früh mitzunehmen und ihnen zu zeigen, was sie durch ein Ehrenamt bewegen können.

Herr Mahr, was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Mahr: Peter Effenberg braucht von mir keinen Rat. Er kennt das Handwerk und die Strukturen sehr gut. Bei einem Punkt sind wir uns vollkommen einig: Die Stiftergemeinschaft kann künftig noch deutlicher zeigen, dass sie für das gesamte Handwerk in unserer Region da ist.

Effenberg: Das eine weiterzuführen und gleichzeitig Neues zu entwickeln – genau darum geht es. Wir wollen die Stiftergemeinschaft bekannter machen, neue Mitglieder gewinnen und ihre Unterstützung noch stärker in der Breite des Handwerks sichtbar werden lassen.