Pressemitteilung vom 23.04.2026Handwerk wartet auf die Milliarden aus dem Sondervermögen
Folgen des Irankriegs verunsichern Unternehmen
Aachen. Das Handwerk in der Region blickt auf ein durchwachsenes Winterhalbjahr zurück und erwartet auch in den kommenden Monaten kaum Verbesserungen. Denn die Unsicherheiten durch den Irankrieg, ausbleibende öffentliche Investitionen in die Infrastruktur und eine Konsumzurückhaltung der Privathaushalte dämpfen die Erwartungen. Das zeigt die Frühjahrskonjunkturumfrage 2026 der Handwerkskammer (HWK) Aachen, an der sich 717 Betriebe aus der StädteRegion Aachen sowie den Landkreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg beteiligt haben.
73 Prozent der Befragten bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“ (Vorjahr: 76 Prozent). Gleichzeitig berichten 44 Prozent von rückläufigen Umsätzen, weitere 38 Prozent von einer Stagnation – bei einer Inflationsrate von 2,2 Prozent. „Die Deindustrialisierung Deutschlands schlägt jetzt auf das Handwerk für den gewerblichen Bedarf durch. Zudem leiden Teile des Bau- und Ausbaugewerbes unter fehlenden Aufträgen“, erläutert HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels. Diese drei Bereiche machen rund 60 Prozent des regionalen Handwerks aus.
Handwerk fordert mittelstandsfreundliche Agenda 2030
Die Handwerkskammer Aachen sieht die Ursache für die gedämpfte Stimmung auch in politischen Rahmenbedingungen. Statt klarer und nachhaltiger Reformen hätten widersprüchliche Debatten – etwa zur Mehrwertsteuer, Stromsteuer oder kurzzeitigen Tankrabatten – zusätzliche Verunsicherung geschaffen. „Die Betriebe brauchen jetzt verlässliche Rahmenbedingungen, eine mittelstandsfreundliche Agenda 2030 und keine schnell zerplatzenden Luftballons wie 1.000-Euro-Entlastungsprämien“, fordert Stoffels. Kritisch bewertet die HWK zudem die anhaltend hohe Bürokratielast. Insbesondere Dokumentationspflichten und aufwendige Genehmigungsverfahren belasteten die Betriebe zunehmend und erschwerten vielfach auch die Suche nach Unternehmensnachfolgern. „Den Betrieben fehlt durch den Papierkram inzwischen die Zeit auf den Baustellen. Die angekündigte Staatsmodernisierung darf nicht wieder nur ein leeres Versprechen bleiben“, führt Stoffels aus.
Ein zentraler Kritikpunkt des Handwerks bleibt die Verwendung des 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens. Nach Experteneinschätzung sind die Mittel bislang überwiegend in die Haushaltskonsolidierung geflossen und nicht in zusätzliche Investitionen, etwa in die Infrastruktur. „Das spüren aktuell vor allem die Straßenbauunternehmen, die auf die versprochenen Aufträge warten. Diese verfehlte Investitionspolitik der öffentlichen Hand zahlen am Ende die Bürgerinnen und Bürger in Form von gesperrten Brücken, Schlaglochpisten und ausfallenden Bahnstellwerken“, sagt Stoffels.
Die vielfältigen Herausforderungen trüben auch den Ausblick im regionalen Handwerk auf das gerade beginnende Sommerhalbjahr: 36 Prozent der Betriebe rechnen mit rückläufigen Auftragszahlen, nur 20 Prozent erwarten eine Verbesserung. Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten bleibt das Handwerk ein stabiler Arbeitgeber. 70 Prozent der Betriebe hielten ihre Beschäftigtenzahlen konstant, zehn Prozent stellten zusätzliches Personal ein. Auch für die kommenden Monate planen drei von vier Betrieben mit stabilen Belegschaften. Gleichzeitig wächst jedoch der Druck in den personalintensiven Handwerksbetrieben durch steigende Sozialabgaben. Entsprechend fordert die Handwerkskammer Aachen, dass die geplanten Reformen im Gesundheitswesen umgehend angegangen werden, damit der Anstieg der Sozialabgaben gestoppt wird. „Ansonsten werden Handwerksleistungen zum Luxusprodukt mit fatalen Auswirkungen auf den klimagerechten Umbau der Städte“, so Stoffels abschließend.
Regionale Verschiebungen
Die wirtschaftliche Lage im Kammerbezirk ist recht homogen. Hierzu tragen zwei entgegengesetzte Trends bei: Zum einen war die Auftragslage im Hochbau besser als Anfang 2025, was sich positiv auf die Baukreise Euskirchen und Heinsberg auswirkte. Zum anderen weist die StädteRegion Aachen eine Handwerksstruktur auf, die stark von den derzeitigen Krisen in Mitleidenschaft gezogen wird. „Erstmals rangiert der Kreis Düren bei allen wichtigen Parametern auf Platz eins, da es dort eine sehr ausgewogene Zusammensetzung der Handwerkerschaft gibt und die Betriebe von der geografischen Lage zwischen den Ballungsräumen Aachen, Bonn und Köln profitieren“, erklärt Stoffels.
Als regionale Dachorganisation vertritt die Handwerkskammer Aachen die Interessen von rund 17.500 Handwerksbetrieben mit ihren über 85.000 Angestellten und knapp 5.400 Lehrlingen in der StädteRegion Aachen sowie den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg. Mit einem Umsatz von circa 10,5 Milliarden Euro ist das Handwerk eine der wirtschaftlichen Stützen im Kammerbezirk. An dieser Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Aachen beteiligten sich 717 Handwerksbetriebe.
Service für Redaktionen:
- Die vollständige Konjunkturumfrage mit ergänzenden Grafiken und der Sonderauswertung nach Sparten und Kreisen (Städteregion Aachen, Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg) können Sie hier Konjunkturumfrage Frühjahr 2026 herunterladen.
- Alle Umfragen der Handwerkskammer Aachen finden Sie hier www.hwk-aachen.de/umfragen.
- Diese Pressemitteilung können Sie unter www.hwk-aachen.de/pm-konjunktur-fruehjahr2026 erreichen.
Grafiken Konjunkturumfrage:
Geschäfts- + Auftragslage | Arbeitsmarkt + Personal | Prognosen + Erwartungen | Regionale Unterschiede
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Erik Staschöfsky, Tel. +49 241 471-132
Alle nachfolgenden Statements sind von Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels:
1. Wie ist die aktuelle Situation im Handwerk?
01: Aktuelle-Situation-im-Handwerk.mp3
2. Wie fallen die Prognosen aus?
02: Ausblick-und-Prognosen.mp3
3. Wie lauten die Forderungen an die Politik?
03: Forderungen-an-die-Politik.mp3
4. Wie präsentiert sich die konjunkturelle Lage in der Städteregion Aachen?
04: Lage-StaedteregionAachen.mp3
5. Wie präsentiert sich die konjunkturelle Lage im Kreis Düren?
05: Lage-Kreis-Dueren.mp3
6. Wie präsentiert sich die konjunkturelle Lage im Kreis Euskirchen?
06: Lage-Kreis-Euskirchen.mp3
7. Wie präsentiert sich die konjunkturelle Lage im Kreis Heinsberg?
07: Lage-Kreis-Heinsberg.mp3
Pressefotos:
HGF Georg Stoffels 1 | HGF Georg Stoffels 2