News vom 02.09.2026Hilfe für den Neustart
Warum persönliche Begleitung beim Ankommen in Deutschland so wichtig ist
Sprachprobleme. Kulturelle Unterschiede. Orientierungslosigkeit. Für die Botschafterinnen und Botschafter des Handwerks sind das keine abstrakten Begriffe. Es sind Kapitel ihrer eigenen Geschichte in Deutschland. Sie wissen, wie schwer ein Neuanfang in einem fremden Land sein kann – und wie entscheidend Menschen sind, die im richtigen Moment eine Tür öffnen, Mut machen und Orientierung geben.
Genau deshalb engagieren sie sich heute für die nächste Generation internationaler Fachkräfte und Auszubildender. Sie wollen ihnen den Start erleichtern, Brücken bauen und zeigen: Das Handwerk kann ein Ort sein, an dem aus Unsicherheit Zukunft wird. Eine von ihnen ist Goldschmiedemeisterin Diana Patrica Cruz-Bodensiek aus Aachen. Sie kam 1998 als 17-Jährige mit ihrer Familie aus Kolumbien nach Deutschland. »Für mich war zunächst das Wichtigste, Deutsch zu lernen. Dafür hatte ich zweimal am Tag Unterricht«, erinnert sie sich an ihre ersten Monate. Eineinhalb Jahre später begann sie ihre Ausbildung zur Goldschmiedin – weil sie ihre Kreativität im Handwerk ausleben wollte.
Der entscheidende Moment kam bei einem Praktikum. »Ich durfte bei einem Goldschmied hier in Aachen mitarbeiten, und da habe ich mich in den Beruf verliebt. Für diese Chance bin ich dem Kollegen bis heute dankbar.« Chancen und Dankbarkeit – diese Begriffe fallen immer wieder, wenn Diana Cruz über ihren Weg spricht. Und sie sind für sie längst mehr als Erinnerungen. In ihrer eigenen Werkstatt gibt sie regelmäßig Migrantinnen und Migranten die Möglichkeit, über einjährige Praktika erste Erfahrungen zu sammeln, Vertrauen zu gewinnen und berufliche Perspektiven zu entwickeln. »Viele Jugendliche sind orientierungslos«, erklärt sie. »Ich sage ihnen dann immer: Deine Zukunft fängt heute genau hier an – nicht morgen.« Dabei geht es ihr nicht nur um berufliche Fertigkeiten. Diana Cruz ermutigt die jungen Menschen auch, sich in Vereinen anzumelden, Kontakte zu knüpfen und im Alltag auf Deutsche zuzugehen. »Sprache und Kultur lernt man nicht nur aus Büchern, sondern vor allem im täglichen Miteinander.«
Was einfach klingt, ist für viele Zugewanderte keine Selbstverständlichkeit. »Mir selbst hat dieser klare Leitfaden bei meinem Start in Deutschland gefehlt. Ich hatte nur wenige Ansprechpartner. Genau das möchte ich mit meiner Arbeit als Botschafterin ändern«, erzählt Diana Cruz. Zugleich ruft sie Handwerkerinnen und Handwerker mit internationaler Geschichte dazu auf, selbst aktiv zu werden: »Wir wissen doch aus unserer eigenen Vergangenheit, was und wer uns geholfen hat. Es ist oft kein großer Aufwand – aber die Dankbarkeit ist unendlich.« Diese Dankbarkeit erlebt sie bis heute. Immer wieder kommen ehemalige Praktikantinnen und Praktikanten mit Blumensträußen in ihr Geschäft am Aachener Theaterplatz. Sie wollen Danke sagen – dafür, dass Diana Cruz ihnen zugehört, sie begleitet und ihnen den Weg in eine Handwerkskarriere in Deutschland geebnet hat.
Das Projekt der Botschafterinnen und Botschafter wurde 2019 von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk gestartet. Seit 2022 liegt es in der regionalen Verantwortung der Handwerkskammern. Im Kammerbezirk Aachen gibt es derzeit zehn Botschafterinnen und Botschafter. Sie berichten an Schulen über die Möglichkeiten im Handwerk und stehen für Einzelgespräche zur Verfügung. »Wir glauben, dass Handwerksbetriebe alle Möglichkeiten des Fachkräftepotenzials ausschöpfen müssen. Und unter den Zugewanderten gibt es viele engagierte und handwerklich sehr talentierte Menschen, die wir mit der Initiative erreichen wollen«, erläutert HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels das fortwährende Engagement der Handwerkskammer in diesem Bereich.
Kontakt für Interessierte
Leif Halbey
Tel. +49 241 471-142
E-Mail: leif.halbey@hwk-aachen.de