News vom 15.10.2026Hürtgenwald-Feuer: Diese Handwerker waren dabei

Anna Schlamann und Thomas Hentz sind Handwerker und engagieren sich bei der Feuerwehr Hürtgenwald. Sie bekämpften im August den verheerenden Waldbrand.

Zeit fürs Ehrenamt kann bei ihnen um 5:43 Uhr sein, um 11:22 Uhr oder auch kurz nach der Tagesschau. Und wenn das Ehrenamt dann anklopft, dürfen sie nicht zögern: Ein Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr kennt weder Zeitplan noch ein »Mach ich später«. Schnell und sofort müssen sie ihr Amt antreten, auch wenn sie gerade an der Werkbank stehen oder auf der Baustelle sind. Im August waren sie an einem der spektakulärsten und größten Einsätze in der Geschichte der Region beteiligt: Im Hürtgenwald brachen zwei Waldbrände aus, die rund 400 Hektar Wald vernichteten und die Rettungskräfte mehr als eine Woche lang beschäftigten.
 


Anna Schlamann
, Feinmechanikermeisterin beim Roetgener Prüfstandtechnik-Experten CFM Schiller, beschreibt die intensive Zeit so: »Ich selbst war an unterschiedlichen Stellen im Dienst, der Einsatz war schließlich nicht an einem Tag vorbei.
Am ersten Tag war ich direkt am Feuer eingesetzt, am Folgetag haben wir die Wasserbehälter für die Helikopter gefüllt. Dabei mussten wir sicherstellen, dass wir mit unseren Fahrzeugen wieder vollständig einsatzbereit waren, denn das tägliche Einsatzgeschehen ging selbstverständlich weiter.« Am darauffolgenden Montag, Tag fünf der Brände, stand Anna Schlamann dann an ihrer Arbeitsstelle und die Kolleginnen und Kollegen bekämpften das Feuer weiter.



Ihr Feuerwehrkamerad Thomas Hentz formuliert seinen »Einsatzbericht« so: »Einsätze wie den Brand im Hürtgenwald erlebt man natürlich nicht alle Tage. Noch seltener vor der eigenen Haustür. Der Brand überraschte mich während eines zweiwöchigen Lehrgangs am Institut der Feuerwehr NRW in Stockheim und ich fuhr sofort nach Hürtgenwald. Ich übernahm dort als Gruppenführer das Löschfahrzeug unseres Standortes. Wir sollten gemeinsam mit Feuerwehrkameraden einer anderen Wehr und zwei Landwirten, die mit Wasserfässern ausgestattet waren, das Übergreifen der Flammen auf ein weiteres Waldgebiet verhindern.« Am folgenden Tag meldete sich der Feuerwehr-Alltag: Der stellvertretende Löschgruppenführer Thomas Hentz und seine Kameraden löschten einen Böschungsbrand, der nicht mit dem Großfeuer in Verbindung stand, bevor er am Mittag wieder beim Waldbrand im Einsatz war, diesmal betraut mit dem Schutz eines Forsthauses und dem Aufbau der Wasserversorgung für die Einsatzkräfte direkt am Feuer.
 

»Normaler« Brandschutz am Wochenende

Am Wochenende hatten die Hürtgenwalder Freiwilligen dann »Feuerpause«, waren allerdings weiterhin für den Brandschutz der Gemeinde verantwortlich und absolvierten einige »normale« Einsätze. Thomas Hentz beendete in den folgenden Tagen den Feuerwehr-Lehrgang mit abschließender Prüfung, ehe er in den Berufsalltag zurückkehrte: Hentz ist Bauleiter beim Zülpicher Straßenbauunternehmen Paffendorf. Die Berichte der beiden Feuerwehrleute zeigen: Auch ohne den Großbrand im Wald wären einige Einsätze zusammengekommen, der Alltag bei der Freiwilligen Feuerwehr besteht also keinesfalls aus einer Handvoll Alarmierungen im Jahr, sondern bedeutet regelmäßige Einschnitte in den beruflichen und privaten Alltag. Warum engagiert man sich für eine so zeitintensive und unplanbare Tätigkeit im Ehrenamt? Die Antwort der 26-Jährigen drückt die Selbstverständlichkeit aus, mit der sie ihr Ehrenamt auslebt und dass die Belastungen und Beschränkungen für sie kein Problem darstellen: »Ich bin von Jugend an mit dabei und helfe gerne anderen Menschen. Hier ist die Feuerwehr der perfekte Mix aus Hilfsbereitschaft und Technik, beides bereitet mir sehr viel Freude. Zudem macht es sehr viel Spaß, ob bei Übungen oder Einsätzen, im Team mit den anderen Kameraden zusammenzuarbeiten und eine funktionierende Einheit zu haben.«

Private und berufliche Unterstützung

Und wie verbindet sie Beruf und Feuerwehr? »Von der Arbeitsstelle bis zum Gerätehaus brauche ich etwa 25 Minuten, daher wären einige Kleineinsätze schon erledigt, bis ich überhaupt da bin. Handelt es sich um etwas Größeres, wo wirklich viele Leute gebraucht werden, verlasse ich den Arbeitsplatz.« Das passiert aber nicht hektisch und grußlos: Für eine kurze Übergabe an den Vorgesetzten und die Kollegen nimmt sie sich immer Zeit. Vom Team am Arbeitsplatz und ihrem privaten Umfeld bekomme sie volle Unterstützung, betont Anna Schlamann: »Sowohl privat als auch beruflich wird meine Tätigkeit bei der Feuerwehr hoch angesehen und unterstützt, da brauche ich mir keine Gedanken zu machen.« 
Ähnlich schildert Thomas Hentz den Spagat zwischen Arbeit und Ehrenamt, das bei ihm auch aus den Elementen Jugendfeuerwehr-Engagement und Ausbildertätigkeit in der Feuerwehr-Grundausbildung besteht: »Natürlich hat die ehrenamtliche Tätigkeit in der Feuerwehr auch Auswirkungen auf meinen Berufsallstag. Ich wurde bereits zweimal für je zwei Wochen für einen Feuerwehr-Führungslehrgang freigestellt. Auch nach längeren Einsätzen - wie bei der Flut im Jahr 2021 - wurde ich von meinem Chef beurlaubt, um die vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten zu können.«
Der 35-Jährige hat also Rückendeckung vom Chef, wägt aber seine Beteiligung an Einsätzen während der Arbeitszeit genauso ab wie Anna Schlamann: »Da ich als Bauleiter in einem Unternehmen in Zülpich tätig bin, lohnt es sich je nach Einsatz nicht immer, von dort oder den jeweiligen Baustellen aus loszufahren. Bei größeren Einsatzstichworten würde ich dies natürlich machen.« Und warum engagiert er sich bei der Feuerwehr? »Es ist für mich ein Hobby wie jedes andere auch, nur dass man bei diesem Hobby nebenher noch Menschen, Tiere, die Umwelt und Sachen retten und schützen kann.«

Ehrenamt und Beruf: Stell Dir vor, es ist Alarm – und die Werkstatt ist plötzlich leer: Ein Landesgesetz regelt in Nordrhein-Westfalen, in welchem Rahmen und unter welchen Umständen eine Tätigkeit bei Feuerwehr & Co. mit dem Beruf vereinbart werden kann. Natürlich müssen Einsätze und Schulungen während der Arbeitszeit mit dem Betrieb abgestimmt werden und sinnvolle Lösungen für beide Seiten gefunden werden. Grundsätzlich gilt: Ehrenamtler bei Feuerwehr oder anderen Hilfsorganisationen müssen vom Arbeitgeber für diese Tätigkeit freigestellt werden. Dazu zählt auch die Teilnahme an Übungen, Aus- oder Fortbildungen. Das Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG) regelt die Rahmenbedingungen, für den Einsatz beim Technischen Hilfsdienst gibt es ein entsprechendes Gesetzeswerk des Bundes (»THW-Gesetz«). Die Paragrafen legen auch fest, dass der Arbeitgeber zwar Lohn und Gehalt weiterzahlt, wenn der Mitarbeitende im ehrenamtlichen Einsatz ist – aber er kann sich das Geld im Falle eines Feuerwehr-Engagements bei der Gemeinde zurückholen.
 Das Land Nordrhein-Westfalen hat eine Übersicht zusammengestellt, die Infos zum Zusammenspiel von ehrenamtlichem Engagement und Beruf gibt.