Handwerkskammer Aachen - Doris Schlachter

News vom 02.09.2026Internationale Fachkräfte: Ankommen beginnt vor dem ersten Arbeitstag

Das Welcome Center KMU – Rheinisches Revier begleitet Handwerksbetriebe von der ersten Beratung bis zur erfolgreichen Integration

Internationale Fachkräfte können einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten. Doch gerade kleine und mittlere Betriebe schrecken häufig vor bürokratischen Verfahren, rechtlichen Fragen und möglichen Verständigungsproblemen zurück. Hier setzt das Welcome Center KMU – Rheinisches Revier an. Christiane Dahm, zuständig für das Projektmanagement, und Projektmitarbeiterin Gudrun Greiling arbeiten im Fachbereich Integrationsförderung der QualiTec GmbH der Handwerkskammer Aachen. Im Interview erklären sie, wie die Beratung in der Praxis abläuft, worauf es bei einer nachhaltigen Integration ankommt und warum Betriebe möglichst frühzeitig Kontakt aufnehmen sollten.
 

Wie läuft die Unterstützung durch das Welcome Center in der Praxis ab, wenn sich ein Handwerksbetrieb erstmals mit dem Wunsch meldet, eine internationale Fachkraft zu gewinnen oder einzustellen?

Christiane Dahm: Zu Beginn steht ein persönliches Beratungsgespräch. Gemeinsam wird analysiert, wie der Betrieb aufgestellt ist, welche Erfahrungen bereits vorhanden sind und an welcher Stelle im Prozess Unterstützung benötigt wird. Manche Unternehmen suchen noch nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten, andere haben bereits eine internationale Fachkraft gefunden und benötigen Hilfe bei den nächsten Schritten. Ziel ist es, den konkreten Bedarf zu ermitteln und passgenaue Lösungen anzubieten.
 

An welchen Stellen benötigen die Betriebe erfahrungsgemäß besonders häufig Unterstützung?

Gudrun Greiling: Besonders häufig benötigen Betriebe Unterstützung bei der Beantragung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen. Weitere Themen sind der Familiennachzug, ein Arbeitgeberwechsel, berufsbezogene Sprachkurse oder die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Darüber hinaus begleitet das Welcome Center Unternehmen auch bei der Entwicklung langfristiger Strategien zur internationalen Fachkräftegewinnung. Denn idealerweise geht es nicht nur darum, einen einzelnen Fall zu lösen, sondern den Betrieb dauerhaft gut aufzustellen.
 

Wie begleitet das Welcome Center die Betriebe und die internationalen Fachkräfte während des gesamten Prozesses?

Dahm: Jeder Fall wird durch eine feste Ansprechperson begleitet, die als Lotsin oder Lotse durch den gesamten Prozess führt. Im Kammerbezirk Aachen übernimmt diese Aufgabe ein starker Partnerverbund aus der QualiTec GmbH, dem Kommunalen Integrationszentrum der StädteRegion Aachen, den Vereinigten Unternehmensverbänden Aachen und der Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen.
Die enge Zusammenarbeit ermöglicht es, zahlreiche Leistungen effizient zu bündeln. So werden aufenthaltsrechtliche Fragen, Anmeldungen bei Behörden sowie die Anerkennungs- und Weiterbildungsberatung eng verzahnt bearbeitet. Gleichzeitig besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Anerkennungsberatung der Handwerkskammer Aachen. Der Betrieb muss sich dadurch nicht selbst an zahlreiche unterschiedliche Stellen wenden und den Prozess allein koordinieren.
 

Welche Themen sind für ein langfristig erfolgreiches Ankommen im Betrieb und in der Region besonders wichtig?

Greiling: Integration ist mehr als die fachliche Einarbeitung: Internationale Fachkräfte müssen nicht nur ihre Tätigkeit kennenlernen, sondern auch betriebliche Abläufe, Sicherheitsvorschriften und die Erwartungen im Arbeitsalltag verstehen. Im Handwerk betrifft das zum Beispiel die korrekte Baustellendokumentation oder die selbstständige Organisation von Arbeitsaufträgen. Internationale Fachkräfte profitieren besonders von einer festen Bezugsperson im Betrieb. Ein »Buddy« unterstützt bei fachlichen Fragen und hilft auch beim sozialen sowie kulturellen Ankommen – zum Beispiel durch das Erklären ungeschriebener Regeln im Team, die gemeinsame Mittagspause, Hinweise auf Vereine und Freizeitangebote oder die Begleitung zu betrieblichen Veranstaltungen. So entstehen schneller Kontakte, Orientierung und ein Zugehörigkeitsgefühl.
Auch das Thema Sprache endet nicht mit dem Sprachniveau B2. Selbst mit guten Deutschkenntnissen können Fachbegriffe, Dialekte oder Kundengespräche eine Herausforderung sein. Berufsbezogene Sprachtrainings können hier hilfreich sein. Auch die Familie sollte von Anfang an mitgedacht werden. Fachkräfte bleiben langfristig eher im Unternehmen und in der Region, wenn sich auch ihre Familien wohlfühlen. Hilfreich sind beispielsweise Informationen zu Kita- und Schulplätzen oder Unterstützung beim Aufbau sozialer Kontakte durch Vereine und Freizeitangebote. Arbeiten, Ankommen, Leben – auch hier unterstützt das Welcome Center Unternehmen und internationale Fachkräfte beim Ankommen in der Region. Es berät zu Themen wie Behördenangelegenheiten, Wohnen, Kinderbetreuung, Sprachangeboten und Freizeitmöglichkeiten, vermittelt passende Beratungs- und Unterstützungsangebote und trägt so dazu bei, dass Fachkräfte und ihre Familien sich schneller in Beruf, Alltag und Region zurechtfinden.
 

Gibt es bereits einen Handwerksbetrieb, an dessen Beispiel sich der gesamte Beratungs- und Integrationsprozess darstellen lässt?

Dahm: Ein aktuelles Beispiel ist die Glas Jansen UG aus Aachen. Das Unternehmen stellt aktuell einen jungen Mann, Firas Aldali, aus Syrien, ein, der bereits in Deutschland lebt. Er möchte eine Ausbildung im Betrieb machen, verfügt über solide Deutschkenntnisse und ist hoch motiviert.
Das Welcome Center unterstützt bei der Beantragung der Arbeitserlaubnis und koordiniert die notwendigen Schritte mit der Ausländerbehörde Düren. Dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten kann die Ausbildung voraussichtlich pünktlich beginnen.
Für Geschäftsführerin Swenja Jansen ist dies eine positive Erfahrung. Bereits 2021 hatte der Betrieb erstmals einen internationalen Auszubildenden eingestellt. Damals war der Prozess noch mit einigen Herausforderungen verbunden. Inzwischen hat dieser ehemalige Auszubildende erfolgreich seine Gesellenprüfung abgelegt und arbeitet weiterhin im Unternehmen. Beim aktuellen Fall verläuft das Verfahren dank der vorhandenen Erfahrungen und der Begleitung durch das Welcome Center deutlich reibungsloser.
 

Was sollten gerade kleine Handwerksbetriebe wissen, die grundsätzlich Interesse an internationalen Fachkräften haben, aber den organisatorischen Aufwand, die Bürokratie oder mögliche Verständigungsprobleme fürchten?

Greiling: Die wichtigste Botschaft an interessierte Handwerksbetriebe lautet: Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Durch die enge Zusammenarbeit der Projektpartner erhalten Unternehmen eine kontinuierliche Begleitung und koordinierte Unterstützung aus einer Hand.
Entscheidend ist jedoch, sich möglichst frühzeitig an das Welcome Center zu wenden. Am besten nehmen Betriebe bereits zu Beginn ihrer Überlegungen Kontakt zu uns auf. Dann können wir den gesamten Weg von Anfang an begleiten, die notwendigen Schritte strukturieren und mögliche Hindernisse frühzeitig erkennen.
 

Welcome Center KMU – Rheinisches Revier

Ansprechpersonen:
 Christiane Dahm, +49 241 9674-334, christiane.dahm@qualitec-ac.de
 Gudrun Greiling, +49 241 9674-345, gudrun.greiling@qualitec-ac.de

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