DHB-Ausgabe Juni 2026Interview mit Leif Halbey »Wir sind gern die Blitzableiter«

Der Dialog ist der beste Weg

Die Ausbildungsberatung der Handwerkskammer steht als neutrale Stelle für alle Fragen vor und während der Ausbildung zur Verfügung.

Was sind die häufigsten Probleme, mit denen Betriebe und Azubis auf die Beratung zukommen?

Halbey: Zum einen sind das juristische Fragen – etwa zu Urlaubsansprüchen, zur Ausbildungsvergütung oder zu den konkreten Ausbildungsinhalten. Zum anderen geht es sehr häufig um zwischenmenschliche Themen. In der Ausbildung treffen nicht nur unterschiedliche Generationen, sondern zunehmend auch verschiedene Kulturen mit eigenen Wert- und Sozialvorstellungen aufeinander. Da spielen Zuverlässigkeit, Respekt und Pünktlichkeit eine große Rolle. Das ist aber keine Einbahnstraße: Die Meisterinnen und Meister müssen vorleben, was sie von den Azubis erwarten.

Was ist dann die Rolle der Handwerkskammer?

Halbey: Häufig sind wir bei Problemen im Ausbildungsverhältnis der erste Ansprechpartner – und das auch sehr gerne. Vielen hilft es, wenn sie sich den Frust von der Seele sprechen konnten und wir ihnen einige Hilfestellungen mitgeben. Gerade bei größeren Konflikten zwischen Azubi und Betrieb ist ein persönliches Gespräch aber oft der beste Weg zur Lösung. Dafür ist das Team der Ausbildungsberatung jedes Jahr in vielen Betrieben vor Ort, berät mit viel Berufserfahrung vollkommen neutral beide Seiten – und bindet bei Bedarf auch die Eltern mit ein.

Aber auch die Berufsschule spielt doch in der Ausbildung eine entscheidende Rolle.

Halbey: Genau, deshalb gibt es für jedes Gewerk mindestens einmal im Jahr Fachgespräche, an denen unter anderem neben Mitgliedern der Prüfungsausschüsse auch Lehrende von den Berufsschulen teilnehmen. Hier wird gemeinsam nach Lösungen gesucht, der Lehrplan besprochen und auch die Abstimmung zwischen überbetrieblicher Unterweisung und Berufsschule verbessert.

Wie gut gelingt die Konfliktlösung?

Halbey: Betriebe und Azubis haben ein gemeinsames Ziel: die Ausbildung erfolgreich absolvieren. Das müssen wir immer mal wieder allen ins Gedächtnis rufen. Aber richtig ist auch, dass sich nicht immer alle Konflikte von uns wegmoderieren lassen. Bevor im schlimmsten Fall das Arbeitsgericht tätig werden muss, ist davor der Schlichtungsausschuss bei der jeweiligen Kreishandwerkerschaft anzurufen.

Wie unterstützt die HWK ansonsten?

Halbey: Etwa 19 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse werden vorzeitig gelöst, der Großteil in der Probezeit – dafür ist diese Phase zu Beginn des Vertrags auch da. In diesem Fall können sich die Azubis an uns wenden und unsere Lehrstellenvermittlung sucht mit ihnen gemeinsam nach einer neuen Ausbildungsstelle. Darin haben unsere Experten sehr viel Erfahrung und wir können auf eine gut gefüllte Ausbildungsplatzdatenbank zurückgreifen.

Welchen Ratschlag haben Sie für die Betriebe kurz vor dem Start ins neue Ausbildungsjahr?

Halbey: Die Motivation der Meisterinnen und Meister für eine gute Ausbildung ist der Schlüssel zum Erfolg. Sie sind für die Azubis Bezugspersonen, Vorbilder, Wissensvermittler und gleichzeitig auch vorgesetzte Personen. Das sind hohe Anforderungen und hier muss sich jeder fragen, ob er sich dieser Verantwortung für drei Jahre stellen will. Wer es schafft, bereits in den ersten Wochen eine Bindung zu den Azubis aufzubauen, hat schon einmal sehr gute Karten für die Ausbildungszeit. Darüber hinaus empfehlen wir den Betrieben, sich bei Sprachdefiziten der Azubis an uns zu wenden. Die Handwerkskammer hat mit dem »Werkzeugkoffer Deutsch« ein Sprachförderprogramm etabliert und gerade nimmt das Welcome Center bei der Kammer seine Arbeit auf, das Betriebe auch bei der Integration von ausländischen Kräften unterstützen soll.

Das Interview mit Leif Halbey führte Erik Staschöfsky