Wimmelbild: Geordnetes »Gewusel« in der Montagehalle von Orgelbau Weimbs. Orgelbauerin Melina Winkelmann trifft den richtigen Ton.
Handwerkskammer Aachen - Doris Schlachter
Wimmelbild: Geordnetes »Gewusel« in der Montagehalle von Orgelbau Weimbs. Orgelbauerin Melina Winkelmann trifft den richtigen Ton.

News vom 17.02.2026Klingender Karriereauftakt: Melina trifft den richtigen Ton

Melina Winkelmann wird mit 23 Jahren Deutschlands zweitbeste Orgelbauerin. Warum Ausbildung bei Weimbs so viel bewirkt.

Dass sie einmal zu den besten Orgelbauerinnen Deutschlands gehören würde, hätte Melina Winkelmann selbst wohl nie gedacht. „Ich hatte den Beruf der Orgelbauerin null auf dem Schirm“, sagt die 23-Jährige rückblickend. Nach dem Abitur wollte sie eigentlich Soziale Arbeit studieren. Doch dann stieß sie in einem Lokalblatt auf die Anzeige von Weimbs Orgelbau. „Beim zweiten Mal ‚Wir suchen Dich!‘ war ich angefixt“, erzählt sie und lacht. Ein dreiwöchiges Praktikum später war die Sache klar – und Melina startete 2021 ihre Ausbildung im traditionsreichen Hellenthaler Betrieb.

Heute lebt sie mit ihrem Freund Jochen Breuer, natürlich ebenfalls Orgelbauer bei Weimbs, in Hellenthal, und arbeitet seit Januar als Gesellin im Unternehmen. Dass sie jetzt Landessiegerin und 2. Bundessiegerin der Deutschen Meisterschaft im Handwerk ist, macht sie sichtbar stolz. Beim Bundeswettbewerb in Ludwigsburg lag sie sogar punktgleich mit dem Bundessieger. Am Ende traf die Jury eine „Bauchentscheidung“ – zugunsten des Erstplatzierten. „Aber zweitbeste Orgelbauerin Deutschlands – das ist schon unglaublich“, sagt Melina bescheiden.

Herausforderung Bundeswettbewerb

Für den Wettbewerb musste sie eine Pfeife löten und eine passgenaue Halterung aus Kirschholz fertigen – fünf Stunden Zeit, kein Raum für Fehler. „Das war schon eine Herausforderung“, erinnert sie sich. Qualifiziert hatte sie sich über ihre hervorragende Gesellenprüfung, die ihr erst den Kammer- und dann den Landessieg einbrachte.

Ein Beruf voller Vielfalt

Was sie am Orgelbau begeistert? „Die Vielseitigkeit!“ Holz, Leder, Filz, Metall – kaum ein anderes Gewerk vereint so viele Materialien. Die Arbeitstage könnten unterschiedlicher kaum sein: Werkstattarbeit, Außentermine zur Wartung, Vor-Ort-Besprechungen in Kirchen, manchmal auch in Konzertsälen oder Schulen. „Pfeifenbau, stimmen, intonieren – dafür brenne ich am meisten“, sagt Melina. „Nicht, dass ich für den Rest nicht brennen würde“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Gerade hat sie ein Panflötenregister für eine Orgel im italienischen Piacenza gebaut. Nun wartet die Feinarbeit: rund 650 Ventile bohren, schleifen, mit Filz überziehen. Diese steuern später den Windfluss zu den 122 Pfeifen des Registers – mechanisch, pneumatisch oder elektrisch. „Elektrik muss man können“, sagt sie pragmatisch. „Wenn ein Kabel falsch liegt, kann es böse und teuer werden.“

Mehrmals war Melina bereits in Kråkerøy, Norwegen, um dort am Neubau der Orgel mitzuwirken – ein Projekt, das historische Gehäuseelemente von 1910 mit moderner Orgelbaukunst verbindet.

Ausbildung mit Weitblick

Ihr Chef, Frank Weimbs, ist spürbar stolz auf seine junge Gesellin: „Melina hat großartig abgeschnitten!“ Ausbildung hat im Hellenthaler Betrieb, der 18 Frauen und Männer beschäftigt, einen hohen Stellenwert. Stärken, Wünsche und Neigungen der Auszubildenden werden gemeinsam besprochen – und nach Möglichkeit umgesetzt. Die lange Betriebszugehörigkeit vieler Mitarbeitender spricht für sich: Harry Dix ist seit 40 Jahren dabei, Mathieu Hell seit 30 Jahren.

Weimbs verweist auch auf die Bedeutung des Orgelbaus als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit (UNESCO-Anerkennung 2017). Und er erinnert an die Zeit, als die Meisterpflicht im Orgelbau abgeschafft wurde – ein tiefer Einschnitt. „Wir haben damals die Rückvermeisterung unseres Gewerks initiiert“, sagt er. Zu Recht, wie er findet: „Wenn nicht ausgebildet wird, findet kein Wissenstransfer statt.“

Der Betrieb ist weltoffen und zieht Idealisten aus aller Welt an: Nachwuchskräfte aus Japan und Buxtehude, eine Auszubildende über Einstiegsqualifizierung, ein langjähriger Mitarbeiter mit Meisterdesigner-Abschluss der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg. „Orgelbauer sind Idealisten“, betont Weimbs. Und Idealisten brauche es, um ein Kulturerbe in die Zukunft zu tragen.

Melinas Weg geht weiter

Melina möchte im Betrieb bleiben, weiter lernen, weiter wachsen – und noch mehr Werkstatterfahrung sammeln. Denn eines ist ihr wichtig: „Der Beruf soll Spaß machen und nicht zur Qual werden irgendwann.“ Dass sie mit dieser Haltung so weit gekommen ist, überrascht bei Weimbs niemanden mehr.