Abbildung aus Schäfer, K.: Bauwirtschaft: Vorbereitung auf die Umsetzung der modernisierten Ausbildungsordnung
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Abbildung aus Schäfer, K.: Bauwirtschaft: Vorbereitung auf die Umsetzung der modernisierten Ausbildungsordnung in: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis - BEP 55 (2026) 1, S. 53-55

News vom 26.05.2026Mehr Nachhaltigkeit, neue Strukturen

Ausbildungsberufe der Bauwirtschaft neu aufgestellt. Modernisierung reagiert auf Klima-, Umwelt- und Technologiewandel

In einem der größten Neuordnungsprojekte der vergangenen Jahre wurden die Ausbildungsberufe in der Bauwirtschaft umfassend modernisiert. Zum 1. August 2026 treten 19 neue Ausbildungsordnungen in Kraft – darunter 16 dreijährige und drei zweijährige Ausbildungen. Mit der Neuordnung wird den veränderten Anforderungen an Umwelt- und Verbraucherschutz, Klimaschutz sowie an den technischen Fortschritt Rechnung getragen. Die neuen Ausbildungsordnungen wurden gemeinsam mit den zuständigen Bundesministerien, den Sozialpartnern und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag der Bundesregierung erarbeitet.

Ein zentraler Schwerpunkt der modernisierten Ausbildungsinhalte liegt auf dem Bauen im Bestand, auf Energieeffizienzmaßnahmen sowie auf materialoffenen Formulierungen, die den Einsatz nachhaltiger Baustoffe fördern. Strukturell hervorzuheben ist insbesondere die Einführung der gestreckten Gesellen- beziehungsweise Abschlussprüfung, die eine enge Verzahnung der zweijährigen und dreijährigen Ausbildungsberufe ermöglicht und damit die Durchlässigkeit zwischen den Berufen fördert.

»Der Klimawandel stellt eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit dar. Die Modernisierung der Bauwirtschaftsberufe leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit und zum Klimaschutz«, erklärt BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser (lesen Sie auch das Editorial auf Seite 2). »Gut ausgebildete Fachkräfte sind entscheidend, um Ressourcen effizient einzusetzen, Gebäude energetisch zu optimieren, den Gebäudebestand zu modernisieren und die Infrastruktur für Mobilität und Versorgung nachhaltig zu gestalten. Die modernisierten Ausbildungsberufe sind daher besonders auch für junge Menschen attraktiv, die sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit engagieren möchten.«

Die Ausbildungsberufe gliedern sich in drei Bereiche: Ausbau, Hochbau und Tiefbau. Zum Ausbau gehören Zimmerer, Stuckateure, Estrichleger, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer, Trockenbaumonteure sowie Ausbaufacharbeiter. Ausbauberufe sind insbesondere im Innenausbau tätig und erstellen Dächer sowie Fassaden. Sie spielen eine zentrale Rolle für den Klimaschutz und die energetische Ertüchtigung von Gebäuden.

Im Hochbau arbeiten Maurer, Beton- und Stahlbetonbauer, Feuerungs- und Schornsteinbauer, Bauwerksmechaniker für Abbruch und Betontrenntechnik und Hochbaufacharbeiter. Hochbauberufe errichten Gebäude und Bauwerke – von Fundamenten über Wände bis zu Decken. Neben dem Neubau gewinnt auch hier das Bauen im Bestand zunehmend an Bedeutung. Beim Rückbau von Bauwerken spielen Umwelt- und Ressourcenschutzaspekte eine besondere Rolle.

Im Tiefbau sind Straßenbauer, Kanalbauer für Infrastrukturtechnik, Leitungsbauer für Infrastrukturtechnik, Brunnenbauer, Spezialtiefbauer, Gleisbauer und Tiefbaufacharbeiter beschäftigt. Tiefbauberufe schaffen und erhalten die Infrastruktur unseres täglichen Lebens – von Straßen, Gleisen und Leitungen bis hin zu Anlagen zur Trinkwassergewinnung und Geothermie.

Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Digitalisierung

Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Digitalisierung wurden bei der Neuordnung konsequent berücksichtigt. So wurde das bisherige Thema Wärmedämmung zu umfassenden Energieeffizienzmaßnahmen weiterentwickelt. Das Bauen im Bestand ist erstmals als durchgängiger Ausbildungsinhalt über alle drei Ausbildungsjahre verankert. Nachhaltigkeitsaspekte finden sich zudem in Planung, Baustelleneinrichtung, Materialwahl, Maschineneinsatz und Qualitätssicherung wieder.

Die zunehmende Digitalisierung, insbesondere durch Building Information Modelling (BIM), verändert Arbeits- und Geschäftsprozesse in der Bauwirtschaft erheblich. Daraus ergeben sich neue Kompetenzanforderungen, etwa beim Lesen digitaler Pläne, beim Messen, Kontrollieren und Dokumentieren.

Überbetriebliche Ausbildung

Um eine breite und zugleich technologisch anspruchsvolle Ausbildung sicherzustellen, bleibt die überbetriebliche Ausbildung in Bildungszentren ein zentraler Bestandteil. Mit mindestens 30 Wochen unterstützt sie Auszubildende und Betriebe dabei, berufliche Handlungskompetenz in zunehmend komplexen Berufsfeldern zu entwickeln.

Neue Prüfungsstruktur und Anrechnungsmodell

In jedem der drei Bereiche werden eine zweijährige Facharbeiterqualifikation sowie mehrere dreijährige Ausbildungsberufe angeboten. Für die dreijährigen Berufe wird die gestreckte Abschluss- beziehungsweise Gesellenprüfung eingeführt. Teil eins der Prüfung findet bereits im zweiten Ausbildungsjahr statt und entspricht der Abschlussprüfung der jeweiligen zweijährigen Facharbeiterqualifikation. Teil zwei erfolgt am Ende des dritten Ausbildungsjahres und umfasst die berufsspezifischen Inhalte.

Dieses System ermöglicht ein Anrechnungsmodell: Nach bestandener Abschlussprüfung in einem zweijährigen Beruf kann die Ausbildung im dritten Jahr eines dreijährigen Berufs fortgesetzt werden.

Umsetzung und Maßnahmen

Die modernisierten Ausbildungsordnungen sowie die darauf abgestimmten Rahmenlehrpläne der Kultusministerkonferenz für den schulischen Teil der dualen Ausbildung lösen die bestehenden Regelungen aus dem Jahr 1999 ab.

Im Zuge der Implementierung plant das BIBB umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen. Die Strukturen und Inhalte werden in 16 Umsetzungshilfen „Ausbildung gestalten“ erläutert. Darüber hinaus werden zentrale Themen im BIBB-Portal für Ausbildungs- und Prüfungspersonal „Leando“ aufbereitet.

Mehr dazu: Überblickseite zu den Ausbildungsberufen in der Bauwirtschaft

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes bieten virtuelle Infoveranstaltungen bzw. Fragestunden zum Thema an: Neuordnung Bauberufe | ZDH