Baustelle im Rohbau
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News vom 20.07.2026Schwarzarbeit: Warum am Ende alle verlieren

Handwerkskammer hat Runden Tisch gegen Schwarzarbeit initiiert. Intensiverer Austausch mit Kreisordnungsbehörden und Zoll.

Die Bilder sind bekannt: dort die Großbaustelle, hier der Barbershop – davor mindestens 20 Uniformierte von Zoll, Polizei oder Ordnungsamt. Genau solche Szenen verbinden vermutlich die meisten Tagesschau-Zuschauenden mit Schwarzarbeitsbekämpfung. Doch sie zeigen nur den seltenen Extremfall. Die alltägliche Schwarzarbeit spielt sich meist viel leiser ab: subtil, schwer sichtbar und von der Öffentlichkeit oft unbemerkt. „Nach Expertenschätzungen arbeiten in Deutschland rund 3,3 Millionen Menschen schwarz. Der volkswirtschaftliche Schaden wird auf etwa 500 Milliarden Euro pro Jahr beziffert – rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der dadurch verursachte Steuerschaden liegt bei etwa 54 Milliarden Euro“, erläutert HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels.

Bauwirtschaft besonders betroffen

Nach Angaben der Sozialkasse Bauwirtschaft (SOKA-Bau) nimmt die Bauwirtschaft dabei über alle Branchen hinweg den Spitzenplatz ein. Im Bauhauptgewerbe wird der Anteil der Schwarzarbeit auf bis zu einem Drittel der geleisteten Arbeitsstunden geschätzt. „Damit schaden diese schwarzen Schafe nicht nur dem Ansehen des gesamten Handwerks, sondern vor allem den ehrlichen Betrieben“, so Stoffels weiter. Aus diesem Grund geht die HWK Aachen seit Anfang 2026 gemeinsam mit den Kreishandwerkerschaften, und den Ordnungsbehörden der Kreise Düren, Euskirchen, Heinsberg und der StädteRegion Aachen verstärkt gegen Schwarzarbeit im Handwerk vor. Dafür hat sie den „Runden Tisch gegen Schwarzarbeit“ ins Leben gerufen, an dem inzwischen weiterer Verfolgungsbehörden wie der Zoll, die Polizei und die Bezirkregierung teilnehmen

Unberechtigte Handwerksausübung im Fokus

Ein Schwerpunkt liegt auf der konsequenten Verfolgung der unberechtigten Ausübung zulassungspflichtiger Handwerke. Nach der Rückvermeisterung von zwölf Handwerken dürfen seit 2020 wieder 53 Gewerke nur mit Meisterbrief, vergleichbarem Abschluss oder Ausnahmegenehmigung ausgeübt werden. „Aber immer wieder bekommen wir von Kunden, Mitbewerbern oder aufgrund von Eigenrecherche Hinweise, dass Aufträge ohne entsprechende Meisterqualifizierung ausgeführt werden“, berichtet Stoffels. Für regulär angemeldete Betriebe sei das ein klarer Wettbewerbsnachteil. Anders als viele denken, ist für die Verfolgung solcher Gesetzesverstöße jedoch nicht die Handwerkskammer zuständig, sondern die Kreisordnungsbehörden. „Wir haben zwar kein Schwarzarbeits-SEK im Keller sitzen, wir geben aber jeden berechtigten Verdachtsfall zur intensiven Prüfung an die zuständigen Behörden weiter, um das ehrliche Handwerk zu schützen“, führt der HWK-Hauptgeschäftsführer aus.

Mehr Datenaustausch, mehr Verfahren

Mit der Novelle des Schwarzarbeitsgesetzes Anfang dieses Jahres ist zudem der Datenaustausch zwischen Ordnungs-, Gesundheits- und Gewerbeamt sowie den weiteren Verfolgungsbehörden wie dem Zoll noch einmal deutlich erleichtert worden. Allein vom Ordnungsamt der StädteRegion Aachen wurden im vergangenen Jahr 96 Ermittlungs- und Prüfverfahren wegen unzulässiger Handwerksausübung eingeleitet, von denen 32 rechtskräftig abgeschlossen wurden. Der so aufgedeckte wirtschaftliche Schaden belief sich auf 439.831,60 Euro; die verhängten Bußgelder betrugen 72.227,60 Euro. Diese Form der Schwarzarbeit ist nicht selten Einfallstor für weitere Verstöße wie illegale Beschäftigung oder Steuerhinterziehung. „Doch nicht nur die ausführenden Betriebe, sondern auch die Auftraggeber sind haftbar zu machen“, erläutert Karl Fährmann, Leiter der HWK-Handwerksrolle, und ergänzt: „Zudem verfallen die Gewährleistungsansprüche, wenn Arbeit schwarz ausgeführt wird.“ Gerade dieser Punkt sei vielen Kundinnen und Kunden nicht bekannt.

Schon die Werbung kann Folgen haben

Jenseits der behördlichen Verfolgung wird auch der Wettbewerbsverein  der Kreishandwerkerschaft Aachen aktiv gegen illegale Handwerksausübung. Er mahnt Betriebe kostenpflichtig ab, die in der StädteRegion Aachen mit der Ausführung von Handwerksleistungen werben, für die sie nicht bei der Kammer eingetragen sind. Bundesweit macht das auch die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, in der die Handwerkskammer Aachen Mitglied ist, Dabei ist es unerheblich, ob die Arbeiten tatsächlich ausgeführt werden. Schon die Werbung auf dem Firmenwagen oder der Visitenkarte kann ausreichen.

Schutz für faire Betriebe

„All das ist keine Gängelung der Betriebe, sondern dient dem Schutz der übergroßen Mehrheit, der fair arbeitenden und angemeldeten Handwerksbetriebe“, betont Stoffels. Zugleich appelliert er an die politischen Entscheidungstragenden, den Kontrolldruck zu erhöhen und illegaler Handwerksausübung konsequent das Handwerk zu legen. „Damit die Kreisordnungsbehörden effizient ihrer wirtschaftlich und gesellschaftlich wichtigen Arbeit nachkommen können, brauchen sie mehr Personal, um ihre umfangreichen rechtlichen Möglichkeiten auch durchsetzen zu können“, fordert der HWK-Hauptgeschäftsführer. Und er betont: „Was im ersten Moment nach zusätzlichen Kosten klingt, ist aufgrund der erwartbaren Bußgelder für Schwarzarbeit und der zusätzlichen Steuereinnahmen alles andere als ein Minusgeschäft für die Landkreise.“

Abschließend verweist die HWK Aachen auf einen Aspekt, der oft untergeht: Auch wenn Schwarzarbeit im ersten Moment nach Brutto gleich Netto klingt, verlieren schwarz Beschäftigte wichtige Rentenansprüche, Versicherungsschutz und arbeitsrechtliche Sicherheit. „Dabei ist auf längere Sicht jeder der Verlierer“, sagt Stoffels abschließend.