News vom 17.04.2026Von der Werkbank auf die Drehleiter
Erster Jahrgang der Stufenausbildung erfolgreich abgeschlossen – mit dem richtigen Handwerk zur Feuerwehr.
„Heute feiern wir einen ganz besonderen Moment“, sagte Wilhelm Grafen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, bei der Abschlussfeier der ersten Stufenausbildung für Feuerwehranwärter. Acht junge Männer haben die erste Phase ihrer Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und können stolz auf über 1.200 Stunden harte Arbeit, Disziplin und Durchhaltevermögen zurückblicken. Für sie war es der erste Schritt in eine vielversprechende Karriere bei der Feuerwehr, und der stolze Moment des Abschlusses war der Höhepunkt einer intensiven Reise, die mit der Stufenausbildung begann.
„Das war kein Selbstläufer. Ihr habt euch durchgekämpft“, betonte Grafen. „Aber Bildung ist immer eine lohnende Investition.“ Und genau diese Investition zahlt sich aus – nicht nur für die Absolventen, sondern auch für die Handwerksbetriebe und die Feuerwehr Aachen.
Unter den erfolgreichen Absolventen ist auch der 17-jährige Fynn Otten, der die Ausbildung direkt nach seinem Schulabschluss begann. „Die Teamfähigkeit mit den Kameraden ist einmalig. Auch die Vielfältigkeit in dem Beruf gefällt mir gut“, schwärmte er. Schon in der 9. Klasse hatte er seine Leidenschaft für den Rettungsdienst entdeckt und trat der Freiwilligen Feuerwehr Haaren bei. Mit der Stufenausbildung hat er einen entscheidenden Schritt in Richtung seiner Traumkarriere gemacht und fühlt sich bestens vorbereitet auf das, was kommt. „Ich freue mich auf die nächsten Herausforderungen“, so Otten.
„Sie haben mich beeindruckt“, lobte Stefan Wenders, Prüfungsvorstehender der Feuerwehr Aachen, die Gruppe der Absolventen. „In über 1.200 Stunden haben Sie alles gegeben und dabei nicht nur Ihr Fachwissen vertieft, sondern sind auch als Team zusammengewachsen.“ An die Absolventen gewandt, fasste Wenders zusammen, was nun auf sie zukommt: „Die nächsten 18 Monate werden unfassbar spannend: Brandbekämpfung, medizinische Einsätze – weg von der Flex, hin zur Spritze. Die Grundlage haben Sie in den letzten 18 Monaten hier gelernt. Das ist für uns die Zukunft, um unsere Bedarfe decken zu können, Sie sind unser Prototyp.“
Theo Goertz, Leiter des HWK-Bildungszentrums BGE, machte aus dem Abschluss eine kleine Familienfeier und brachte gleich symbolisch das passende Rezept mit. Er verglich die Stufenausbildung mit einer Suppe und die Absolventen als Testesser dieses „einmaligen Rezeptes“. Sie wollten und mussten die Suppe auslöffeln, die aus sehr vielen Zutaten bestand – zumeist schmackhaften, wie Goertz augenzwinkernd bemerkte. Jonathan Hülle, 24, ist ein weiterer Absolvent, der zuvor bei der Bundeswehr tätig war. „Es war ein guter Austausch, die Prüfungen waren herausfordernd, aber der Zusammenhalt in der Truppe war einfach toll“, beschrieb er seine Erfahrungen. Der Wechsel von der Bundeswehr zur Feuerwehr war für ihn nur logisch, vor allem hinsichtlich klarer Strukturen und Mannschaft. „Ich wollte schon immer einen Job haben mit einem starken Gefüge und Kameradschaft“, sagte Hülle.
Der Abschluss der Stufenausbildung stellt nicht nur für die Absolventen einen Meilenstein dar, sondern auch für die Feuerwehr und die Handwerkskammer Aachen. In enger Zusammenarbeit haben sie eine Ausbildung geschaffen, die den Anforderungen der Feuerwehr gerecht wird und gleichzeitig dafür sorgt, dass den Handwerksbetrieben eigens ausgebildete Leute nicht abwandern. Die Absolventen sind nun bereit, in die zweite Phase ihrer Ausbildung einzutauchen – die anderthalbjährige Feuerwehr-Grundausbildung.
Die Absolventen
Nico Bechtloff, Jonathan Hülle, Phil Jäger, Tobias Kraus, Joé Matagne, Fynn Otten, Philippe Scheiff und Noah Wego haben die erste Stufenausbildung erfolgreich abgeschlossen.
Hintergrund: Das Handwerk hilft auf die Karriereleiter
Bevor junge Feuerwehrleute erste Schritte auf der Drehleiter machen und zum C-Rohr greifen, müssen sie ihr Handwerk beherrschen: Die Stadt Aachen bietet den angehenden Wehrleuten eine Stufenausbildung an und hat sich dazu die Handwerkskammer ins Boot geholt. Die Kammer übernimmt die theoretische und praktische „Kompaktausbildung“ in den Bereichen Sanitär und Heizung, Elektro, Metall sowie Holzbearbeitung. Sie findet in den Berufsbildungszentren der HWK statt, dauert 18 Monate und bildet die erste Qualifikationsphase, ehe sich als zweite Stufe die Feuerwehr-Grundausbildung anschließt. Ein Nebeneffekt dieses Modelles, das Ende 2024 startete und jüngst zum Abschluss kam: Bislang war die abgeschlossene Berufsausbildung Voraussetzung für eine Bewerbung bei der Feuerwehr. Die Folge: Betriebe bildeten junge Menschen aus, die dann in Richtung Feuerwehr abwanderten. Die Stufenausbildung ist damit auch eine Entlastung der Handwerksbetriebe.
Mehr zur Kooperation zwischen Handwerk und Feuerwehr finden Sie hier www.hwk-aachen.de