Foto: FH Aachen/Arnd Gottschalk
Das Projekt InterPro führte das Fachwissen von FH-Studierenden und Handwerk zusammen.

News vom 12.03.2026Warum trennen, was Zukunft ermöglicht?

Wie Hochschule und lokales Handwerk im Projekt InterPro gemeinsam junge Talente stärken – und echte Zukunftsinnovation ermöglichen: Ein Plädoyer für mehr Kooperation.

Von Marc Schnitzler

Wenn Studierende der Hochschule, angehende Meisterinnen und Meister sowie Fachkräfte aus der Region gemeinsam an Werkstücken, Prototypen und Zukunftslösungen arbeiten, passiert etwas, das in vielen Bildungsdebatten nur als Wunschformel existiert: Theorie und Praxis verschmelzen zu einer realen Einheit. Genau das leistet das Kooperationsprojekt InterPro – Interdisziplinäre Prototypenentwicklung, getragen von der FH Aachen und der Handwerkskammer Aachen.

Seit drei Jahren bringt das Projekt Menschen zusammen, die sonst durch institutionelle Grenzen voneinander getrennt wären: Studierende verschiedener Fachrichtungen, Gründerinnen und Gründer aus dem FH‑Gründungszentrum und Teilnehmende aus den Bildungszentren des regionalen Handwerks. Ihr gemeinsames Ziel: Innovative Ideen und gesellschaftlich relevante Herausforderungen in echte Produkte übersetzen – ohne unnötige Hürden, ohne bürokratische Schleifen und ohne die traditionelle Trennung von „Wissenschaft“ und „Praxis“.

Versäumnisse aufholen und Innovationen schaffen

„Transfer gelingt am besten, wenn man ihn gar nicht braucht.“ Dieser Gedanke beschreibt für uns im Handwerk eine Realität, die längst überfällig ist. Denn während die Wirtschaft immer schneller wird, stehen wir vor zwei Aufgaben gleichzeitig:

  • Versäumnisse der Vergangenheit aufholen,
  • Innovation für morgen schaffen.

Beides gelingt nicht, wenn Wissen in getrennten Systemen entsteht und erst später mühsam von A nach B übertragen werden muss. InterPro wählt deshalb einen anderen Weg: Alle Beteiligten starten gemeinsam – am selben Tisch, am selben Rechner, an denselben Werkzeugen. Dieser Ansatz ist nicht nur effizienter, sondern erzeugt auch eine besondere Dynamik: Ideen werden direkt in Handwerklichkeit überführt, theoretische Konzepte werden sofort prototypisch getestet und wirtschaftliche Realitäten fließen frühzeitig in die Projektentwicklung ein.

Drei Projektzyklen – ein klares Ergebnis

Nach nunmehr drei abgeschlossenen Durchläufen zeigt sich: Kooperation funktioniert am besten, wenn sie nicht als Ausnahme, sondern als Normalfall gedacht wird. Studierende profitieren von echtem Praxiskontakt, junge Handwerks-Talente erleben Hochschulmethodik und Innovationsprozesse, und die regionale Wirtschaft bekommt Prototypen, die nah an ihren Herausforderungen entwickelt wurden. Dass dies funktioniert, liegt nicht nur an den Formaten – sondern an den Menschen, die es möglich machen: Thomas Ritz, Prof. Dr. Constanze Chwallek, Tobias Fink und Karim Al Montassir leben vor, wie unkompliziert und produktiv Hochschul‑ und Handwerkswelten zusammenarbeiten können, wenn Vertrauen, Transparenz und Pragmatismus die Leitlinien sind. Was einst als Experimentierräume begann, ist heute gelebte institutionelle Realität.

Talente früh und frei zusammenbringen – unser Weg in die Zukunft

Für die Handwerkskammer Aachen ist InterPro ein wichtiger Baustein einer größeren Vision:
Junge Talente möglichst früh zusammenzubringen – frei von institutionellen Grenzen, Bildungswegen oder formalen Rahmen. Denn genau dort, wo sich handwerkliches Können, akademische Methoden, Unternehmergeist und echte technische Leidenschaft begegnen, entsteht das, was unsere Region in Zukunft braucht:

  • Neue Produkte statt Papierkonzepte
  • Mutige Lösungen statt Denkgebäude in Silos
  • Unternehmerische Haltung statt Rollenklischees

Wir wollen diesen Weg weitergehen – konsequent und dauerhaft. Nicht, weil Kooperation modern klingt, sondern weil sie pragmatisch ist. Weil sie Zeit und Ressourcen spart. Und weil sie einen echten Mehrwert für die regionale Wirtschaft schafft. InterPro zeigt, wie Zukunft in der Berufsbildung aussehen kann, wenn man sie ernst meint. Für uns im Handwerk ist klar: Solche Projekte sind kein „Add‑on“, sondern Teil eines notwendigen Kulturwandels. Wir werden die Kooperation mit der FH Aachen weiter ausbauen, mehr Lernende frühzeitig vernetzen und dafür sorgen, dass die gemeinsame Innovationskraft unserer Region nicht ungenutzt bleibt. Denn am Ende profitieren alle davon – die Studierenden, das Handwerk, die Unternehmen und nicht zuletzt der Standort Aachen. Transfer gelingt dann am besten, wenn man ihn gar nicht erst braucht – weil Wissen genau dort entsteht, wo es gebraucht wird.