KI‑Roboterhand hält ein digitales Fragezeichen. Doppelbelichtung mit nächtlicher Stadt im Hintergrund.
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News vom 16.03.2026Wir fragen nach

Welchen Stellenwert werden im Jahr 2036 digitale Technologien und Werkzeuge und der Einsatz künstlicher Intelligenz für Handwerksbetriebe haben?

»KI wird Werkzeug, keine Kür«

DER DIGITAL-BERATER - Marc-Schnitzler
DER DIGITAL-BERATER - Marc-Schnitzler

Marc Schnitzler ist Berater für Innovation und Technologie Schwerpunkt Digitalisierung der Handwerkskammer Aachen.

»Im SHK-Betrieb wird die Arbeit 2036 grundlegend anders aussehen als heute, das gilt im Übrigen für alle anderen Gewerke auch. Die Veränderungen werden nicht kommen, weil wir es wollen, sondern weil uns die Demografie und der Markt dazu zwingen. Wir werden weniger Fachkräfte haben – eine Tendenz, die sich heute schon an vielen Stellen zeigt und die noch deutlich mehr an Fahrt aufnehmen wird. Die gleiche Arbeit kann mit weniger Fachkräften nicht erledigt werden, also muss gesteigerter Technologieeinsatz diese Lücken füllen. Digitalisierung und KI werden nicht nur deshalb unverzichtbare Werkzeuge und keine Kür. Kundinnen und Kunden informieren sich bereits heute in mehr als 90 Prozent der Fälle online, bevor sie Aufträge erteilen. Und dann gilt natürlich: Wer digital nicht sichtbar ist, wird vom Kunden nicht gefunden – und von neuen Mitarbeitern auch nicht. KI-gesteuerte Suchmaschinen bewerten künftig Service, Verfügbarkeit und Arbeitgeberqualität automatisch mit und haben Einfluss auf die Entscheidungen des Kunden und der qualifizierten Fachkräfte für oder gegen einen Betrieb. Handwerksbetriebe, die sich dieser Entwicklung verweigern, werden unsichtbar. Zukunftssicherung heißt: Aktiv gestalten, nicht bewahren, was nicht mehr trägt.«

»Erst der Mensch, dann das Digitale«

DER SHK-GESCHÄFTSFÜHRER: Toni Klein
DER SHK-GESCHÄFTSFÜHRER: Toni Klein

Toni Klein ist Geschäftsführer des SHK-Betriebes A. Josef Breuer in Alsdorf, der seit mehr als 40 Jahren besteht.

»Natürlich kann ich mir vorstellen, dass ich in zehn Jahren mehr digitale Hilfsmittel nutzen werde. Dieser Trend ist ja heute schon im Alltag sichtbar, wenn unsere Mitarbeiter mit dem Notebook beim Kunden oder auf der Baustelle unterwegs sind, um dann ihre Daten direkt an unsere Buchhaltung zu übermitteln und nicht abends ihren Tageslohnzettel im Büro abgeben. Was meine Vorstellung der Zukunft betrifft: Ich kann mir heute nicht vorstellen, dass ich mir 2036 beim Kunden vor Ort erstmal die VR-Brille aufsetze oder bei uns kein Mensch mehr ans Telefon geht und mit den Kunden spricht, sondern eine KI in der Leitung ist. Ich möchte auch in zehn Jahren, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und ich glaube, dass menschliche Kontakte auch weiterhin ganz wichtig sind. Natürlich lasse ich mich dann auch gerne von digitaler Technologie unterstützen. Aber andersherum – erst das Digitale, dann der Mensch – wird es auch 2036 nicht sein. Im Übrigen hat die Digitalisierung für uns schon heute nicht nur positive Seiten: Ich habe regelmäßig Möchtegern-Installateure am Telefon, die sich per KI oder bei Google schon bestens informiert fühlen und mir erklären, welches Problem an ihrer Heizungsanlage vorliegt. Wenn unser Monteur dann vor Ort ist, stellt sich heraus, dass das Problem ein ganz anderes ist. Da rate ich dann doch immer dazu, gleich den Fachmann nachsehen zu lassen.«