Handwerkswirtschaft Ausgabe Juni 2022Kommentar

Der Druck nimmt zu

Von Elmar Brandt



Die Nachrichten von zwei Insolvenzen in der Region in den Bereichen Gebäudetechnik und Hausinstallation lassen aufhorchen. Wie es zu den Pleiten kam, wird gerade aufgearbeitet, aber der Fokus richtet sich auf die gesamte Branche, in der viel zu tun ist, die Rahmenbedingungen aber deutlich schwieriger geworden sind. Den Betrieben fehlen Material, Personal und Gewinne, weil sie immer höhere Preise im Einkauf bezahlen müssen. Das Problem dabei: Die Zeit läuft weg, denn der Klimawandel wirkt auf bedrohliche Weise, und es ist so dringend notwendig, die Energiewende, sprich: Sanierungen, Photovoltaik-Anlagen, verbrauchsarme Heizanlagen, voranzutreiben.



Politik und Wirtschaft müssen jetzt noch stärker in die Offensive gehen, bei allen Problemen, die es derzeit noch so gibt. Das Handwerk braucht unbedingt Fachkräfte, und diese müssen auch im Ausland angeworben werden. Die Voraussetzungen dafür müssen geschaffen werden. Dass es im Handwerk gelingt, Mitarbeiter mit ausländischen Wurzeln zu integrieren, haben viele Betriebe auf sehr beeindruckende Weise bereits bewiesen.

Damit die Handwerksunternehmen, die in der großen Mehrheit sehr gut wirtschaften und gegen Krisen gewappnet sind, weiter erfolgreich am Markt agieren können, braucht es auch das Entgegenkommen der Auftraggeber – von privaten Kunden, aber vor allem auch von den öffentlichen. Letztere wehren sich leider noch sehr häufig gegen Preisgleitklauseln, was dazu führt, dass die Betriebe Minusgeschäfte machen. Und was daraus folgen kann, zeigen die bedauerlichen insolventen Beispiele.

Der „Sommer der Berufsausbildung“ hat gerade wieder bundesweit begonnen. Das gemeinsame Stemmen gegen den Fachkräftemangel, die Kostenexplosion und die Materialknappheit muss deutlich mehr Schub bekommen, damit das große Wachstumspotenzial, das im Handwerk existiert, tatsächlich entfaltet wird. Das würde auch die Bewältigung der Klimakrise erleichtern.