Kommentar

Handwerkswirtschaft Ausgabe Mai 2020

Zeitenwende(n)

 Von Nicole Tomys

Ob wir später einmal von einer „Vor-Corona“ und „Nach-Corona“ sprechen werden, weil die ausgerufene Pandemie eine Zeitenwende eingeläutet hat? Wird sich die Phase, die wir jetzt als Bürger, Unternehmen, Gesellschaft durchleben, mit gehörigem zeitlichem Abstand in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt haben? Wird es (an-)fassbare Veränderungen geben, die die Unterscheidung in ein „Davor“ und „Danach“ zulassen? Das alles können wir noch nicht sicher sagen, denn aktuell stecken wir ja noch alle mittendrin, in der „Corona-Zeit“. Aber es zeichnet sich schon sehr deutlich ab, dass es viele politische Entscheider in den Bundesländern, sehr viele Unternehmen und einen stetig größer werdenden Teil der Bevölkerung gibt, die so schnell wie möglich in der „Nach-Corona-Zeit“ ankommen wollen.

Schleifspuren
Das ist nur verständlich nach den tiefen persönlichen, rechtlichen und finanziellen Einschnitten, die die Bundes- und Landesregierungen mit den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus ausgelöst haben. Auch im Handwerk haben sie bis jetzt, wenn auch unterschiedlich tief, Schleifspuren hinterlassen in Form von Auftragsstornierungen, Umsatzrückgängen, zeitweiligen Geschäftsschließungen, Abriss von Lieferketten und Investitions- und Kaufzurückhaltung bei gewerblichen, privaten und öffentlichen Kunden. Dass das Corona-Virus selbst bei vielen Betrieben und Beschäftigten „gewütet“ und diese lahm gelegt hat, wurde der Kammer bisher nicht übermittelt.

Ganz sicher kann man von einer Zeitenwende bei der Handwerkskammer Aachen sprechen. Nach 26 Jahren hat Dieter Philipp am 24. April 2020 sein Amt als Präsident der Kammer abgegeben und die Vollversammlung – das „Parlament des Handwerks“– hat die Verantwortung für diese Aufgabe des obersten Repräsentanten und Verantwortlichen in einstimmiger Wahl in die Hände des 44-jährigen Elektrotechnikermeisters Marco Herwartz aus Aachen-Eilendorf gelegt.

Weichen gestellt
Wer 26 Jahre die Geschicke der Kammer an verantwortlicher Stelle mitgestaltet hat, der prägt so ein Haus; hat über lange Zeit Weichen für dessen Zukunft gestellt, deren Auswirkungen mess- und greifbar sind. Da darf man mit Fug und Recht von einer Ära sprechen.

Im Gegensatz zur wechselvollen Corona-Zeit ging der Übergang vom alten auf den neuen Präsidenten mit Ruhe und Umsicht vor sich. Marco Herwartz konnte in seinen drei Jahren als Arbeitgeber-Vizepräsident aufgrund der engen Zusammenarbeit zwischen ihm und Dieter Philipp weitgehende Einblicke in diese Aufgabe gewinnen.

Eine ganze Generation
Er wird die Kammer verständlicher- und richtigerweise in anderer Weise prägen als Dieter Philipp, liegt doch an Altersjahren eine ganze Generation zwischen den beiden und beide verkörpern einen anderen Führungstypus. Nicht besser oder schlechter, aber anders.

Marco Herwartz wird seine „eigenen Fußstapfen“ hinterlassen, die später vielleicht einmal als „Herwartz-Zeit“ bezeichnet werden.


Kommentar von Nicole Tomys M.A., stv. Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Aachen

Kommentar von:

Nicole Tomys, M.A.
Stv. Hauptgeschäftsführerin Geschäftsbereich 2, FBL Fachbereich 2.9 Kommunikation

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