Pressemitteilung vom 29.10.2026Geschäftslage verbessert, Zukunftssorgen wachsen
Bundesregierung muss handeln, statt diskutieren
Aachen. Die Geschäfte laufen besser als im Frühjahr, doch von Aufbruchstimmung ist im regionalen Handwerk wenig zu spüren. Hohe Energie- und Rohstoffpreise, zurückhaltende Kunden und ausbleibende politische Reformen drücken auf die Stimmung. Zwar bewerten 78 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend. Doch fast jeder zweite Betrieb will seine Investitionen zurückfahren. Das zeigt die Herbstkonjunkturumfrage 2026 der Handwerkskammer (HWK) Aachen unter den rund 17.750 Handwerksbetrieben in der StädteRegion Aachen sowie den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg. „Die Betriebe behaupten sich in einem schwierigen Umfeld. Aber die Luft wird dünner“, unterstreicht HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels bei der Studienvorstellung. Steigende Kosten, schwache Nachfrage und politische Unsicherheit bremsten das Handwerk aus.
Bau stabil, Industriekrise hinterlässt Spuren
Die aktuelle Geschäftslage ist nahezu unverändert gegenüber dem Herbst 2025, als 79 Prozent der Betriebe zufrieden waren. Für Stabilität sorgen vor allem das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe mit soliden Auftragszahlen und Umsätzen. Deutlich schlechter läuft es im Handwerk für den gewerblichen Bedarf. Hier hinterlässt die anhaltende Industriekrise tiefe Spuren. Das wirkt sich auch auf die Zukunftserwartungen aus: 29 Prozent erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Mit Umsatzrückgängen rechnen sogar 36 Prozent. Vor Jahresfrist lagen die Werte bei 26 beziehungsweise 33 Prozent. Aus Sicht der HWK Aachen alarmierend ist die Investitionszurückhaltung. 43 Prozent der Betriebe wollen weniger Geld für Maschinen, Gebäude oder Digitalisierung ausgeben. Ein Grund sind die stark gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe. Gleichzeitig halten sich viele Verbraucher angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten mit größeren Anschaffungen zurück. „Wenn die Betriebe heute nicht investieren können, fehlt morgen die Grundlage für Wachstum“, warnt Stoffels. „Wir brauchen deshalb dringend Entlastungen, die tatsächlich bei den Unternehmen ankommen.“
Zeit, zu machen
Zudem zeigt die Studie deutlich: Die Geduld der Betriebe mit der Bundesregierung schwindet. „Die seit mehr als einem Jahr angekündigten Reformen lassen weiter auf sich warten. Die versprochene Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau für alle Betriebe ist ebenso wenig umgesetzt wie die Abschaffung der Bonpflicht für Bäckereien und Friseurbetriebe. Stattdessen steht nun eine digitale Variante der Bonpflicht im Raum“, fasst der HWK-Hauptgeschäftsführer die Kritik der Handwerksbetriebe zusammen. Dabei brauchten die Betriebe jetzt Planungssicherheit, bezahlbare Energie und weniger Bürokratie. „Das Handwerk hatte vor einigen Jahren in seiner Imagekampagne einen Slogan, der für unsere Politik gelten sollte: Zeit, zu machen.“
Stabiler Arbeitsmarkt
Trotz der vielfach negativen Vorzeichen bleiben die Beschäftigtenzahlen im regionalen Handwerk bemerkenswert stabil. Zwei Drittel der Betriebe hielten ihren Personalbestand konstant, zwölf Prozent stellten zusätzliche Mitarbeitende ein. Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass insbesondere in klimarelevanten Berufen wie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Hilfs- und Fachkräfte händeringend gesucht werden.
Düren vorn, StädteRegion schwächelt
Innerhalb des Kammerbezirks zeigen sich in der aktuellen Konjunkturstudie deutliche Unterschiede. Der Kreis Düren verteidigt seinen Spitzenplatz aus dem Frühjahr. Die rund 3.660 Handwerksbetriebe melden überdurchschnittlich gute Ergebnisse und blicken vergleichsweise optimistisch nach vorn. Als einzige Region rechnet Düren sogar mit einem Beschäftigungsaufbau. Im Kreis Euskirchen bewegen sich die Konjunkturwerte weitgehend im Kammerdurchschnitt. Der starke Hochbau sorgt für Stabilität, die Beschäftigung entwickelte sich sogar besser als in den übrigen Regionen. Im Kreis Heinsberg hat sich die Stimmung dagegen eingetrübt. Insbesondere die schwache Konjunktur im Dachdecker- und Elektrohandwerk drückt auf die Ergebnisse. Das Schlusslicht bildet die StädteRegion Aachen. Vor allem die Krise im Handwerk für den gewerblichen Bedarf und im Straßenbau belastet die Bilanz. Auch Maler- und Dachdeckerbetriebe haben zu kämpfen.
Service für Redaktionen:
- Die vollständige Konjunkturumfrage mit ergänzenden Grafiken und der Sonderauswertung nach Sparten und Kreisen können Sie hier herunterladen Konjunkturumfrage Herbst 2026
- Alle Umfragen der Handwerkskammer Aachen finden Sie hier www.hwk-aachen.de/umfragen
- Diese Pressemitteilung erreichen Sie unter www.hwk-aachen.de/pm-konjunktur-herbst2026
Als regionale Dachorganisation vertritt die Handwerkskammer Aachen die Interessen von rund 17.750 Handwerksbetrieben mit ihren über 85.000 Angestellten und knapp 5.400 Lehrlingen in der StädteRegion Aachen sowie den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg. Mit einem Umsatz von circa 10,5 Milliarden Euro ist das Handwerk eine der wirtschaftlichen Stützen im Kammerbezirk.
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Download Grafiken:
Grafik 1: Geschäfts- und Auftragslage
Grafik 2: Arbeitsmarkt - Personal
Grafik 3: Prognose
Grafik 4: Regionale Unterschiede
Pressefoto 1: HGF Georg Stoffels
Pressefoto 2: HGF Georg Stoffels
Alle nachfolgenden Statements sind von Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels:
1. Wie ist die aktuelle Situation im Handwerk?
01: Aktuelle-Situation-im-Handwerk.mp3
2. Wie fallen die Prognosen aus?
02: Ausblick-und-Prognosen.mp3
3. Wie lauten die Forderungen an die Politik?
03: Forderungen-an-die-Politik.mp3
4. Wie präsentiert sich die konjunkturelle Lage in der Städteregion Aachen?
04: Lage-StaedteregionAachen.mp3
5. Wie präsentiert sich die konjunkturelle Lage im Kreis Düren?
05: Lage-Kreis-Dueren.mp3
6. Wie präsentiert sich die konjunkturelle Lage im Kreis Euskirchen?
06: Lage-Kreis-Euskirchen.mp3
7. Wie präsentiert sich die konjunkturelle Lage im Kreis Heinsberg?
07: Lage-Kreis-Heinsberg.mp3