Handwerkskammer Aachen - Jahresbericht 2025Integration + Inklusion
Das Handwerk verbindet – über Landes- und Sprachbarrieren oder auch Altersgrenzen hinweg. Es ist der Integrationsmotor in der Region und das auch für Menschen mit Handicap. Denn im Handwerk kann jede und jeder seine berufliche Heimat finden.
Vom Flüchtling zur Fachkraft
Syrische Geflüchtete spielen eine wichtige Rolle für die Fachkräftesicherung im Handwerk. Der Elektrobetrieb Ohligschläger in Aachen beschäftigt mit Hasan Mohsen einen fest integrierten Mitarbeiter und hob hervor, dass im Arbeitsalltag Können und Teamgeist zählten. Bei der Handwerkskammer Aachen arbeitet Mustafa Abdin als wichtiger Kollege – sein Weg zeigt, wie Sprachkurse, Unterstützung im Team und berufliche Chancen Integration ermöglichten. Weitere positive Erfahrungen schilderte Julius Nobis von der gleichnamigen Bäckerei: Syrische Mitarbeitende seien eine Bereicherung, zugleich bremsten lange Verfahren und wechselnde Regeln die Integration. Im SHK-Betrieb von Jan Mohr überzeugten zwei syrische Beschäftigte durch Zuverlässigkeit und Leistung; ein Mitarbeiter legte die Gesellenprüfung ab und erhielt einen unbefristeten Vertrag, der andere ist ebenfalls eine feste Größe im Unternehmen. Trotz vieler Erfolgsgeschichten gibt es weiterhin Hürden, insbesondere bei der Aufenthaltsunsicherheit.
Eine erfolgreiche Integration gelingt in hohem Maße über die Arbeit – durch den täglichen Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten entsteht eine langfristige Bindung an Gesellschaft und Unternehmen. Beispiele: Elektrobetrieb Ohligschläger beschäftigt Hasan Mohsen (li) und die Handwerkskammer Aachen Mustafa Abdin (re).
Ehrenamt als Integrationsmotor – Malika Boymirzoeva
Beim „Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW“ setzte Malika Boymirzoeva ein starkes Zeichen für Integration und Engagement. Die heutige Bäckermeisterin hatte nach ihrer Einwanderung nach Deutschland eine Ausbildung bei Nobis Printen in Aachen absolviert, Auszeichnungen erhalten und sich zur Botschafterin des Handwerks entwickelt. Bei der Veranstaltung in Raesfeld berichtete sie über ihren Weg und motivierte insbesondere Zugewanderte, eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen. Ihr Engagement verdeutlichte, wie berufliche Integration gesellschaftliche Teilhabe stärkt. Der jährliche Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW würdigt ehrenamtliches Wirken im Handwerk und zeigt, dass das Ehrenamt Gemeinschaft stiftet und Vorbilder schafft – auch weit über die Region hinaus.
Über ihren bemerkenswerten Lebensweg berichtete Malika Boymirzoeva (Mitte). Auf unserem Bild ist sie mit HWK-Präsident Marco Herwartz, Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, HWK-Vizepräsident Felix Kendziora und HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels (von links) zu sehen.
Welcome Center – Struktur für internationale Fachkräfte
Mit dem Welcome Center für das Rheinische Revier wurde im Rahmen der NRW-Fachkräfteoffensive eine zentrale Anlaufstelle zur Gewinnung und Integration internationaler Fachkräfte aufgebaut. Mit initiiert von der Handwerkskammer Aachen und getragen vom Westdeutschen Handwerkskammertag mit regionalen Partnern, berät das Center Betriebe und ausländische Arbeitskräfte zu Einreise, Arbeitserlaubnis und Anerkennung von Berufsabschlüssen. Zwei geförderte Stellen sind bei der QualiTec, der Tochtergesellschaft der Handwerkskammer Aachen, angesiedelt, die ihre langjährige Erfahrung in der Integrationsarbeit einbringt und das Netzwerk koordiniert. Im Fokus stehen Entbürokratisierung, Qualifikationsbewertung und das Modell der „Anerkennungspartnerschaft“. Das Welcome Center baut dabei auf bewährter Vorarbeit auf, etwa dem Projekt „Werkzeugkoffer Deutsch“ sowie der Initiative „Botschafterinnen und Botschafter des Handwerks“, die Integration im Arbeitsmarkt bereits erfolgreich unterstützen.
Symbolischer Start: NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (2.v.r) übergab den Förderbescheid an die Vertreter der HWK Aachen.
Handicap, na und?
Die Inklusionsberatung der Handwerkskammer Aachen unterstützt Betriebe praxisnah bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Als „einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber“ im Auftrag des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) berät Inklusionsberater Tom Schruff ausschließlich die Arbeitgeberseite zu Fördermöglichkeiten, rechtlichen Rahmenbedingungen und konkreter Arbeitsplatzgestaltung. Dabei räumt er mit Vorurteilen auf und macht deutlich, dass Leistungsfähigkeit nicht vom Grad der Behinderung abhängt. Gemeinsam mit dem LVR-Inklusionsamt, dem Integrationsfachdienst und weiteren Stellen werden individuelle Lösungen entwickelt – von technischen Hilfsmitteln bis zu Jobcoachings. Förderungen reichen von Investitionszuschüssen und Ausbildungsprämien bis zur barrierefreien Gestaltung von Arbeitsplätzen durch LVR und Bundesagentur für Arbeit. Ziel ist immer eine nachhaltige, erfolgreiche Teilhabe im Handwerk.