Handwerkskammer Aachen - Jahresbericht 2025Kooperationen
Partnerschaften bringen weiter: Erfahrungen werden ausgetauscht, der Wissenstransfer stärkt beide Seiten und gemeinsam können Ziele schneller und besser erreicht werden. Daher setzte die Handwerkskammer auch 2025 auf ein vielseitiges Netzwerk, um das Handwerk in der Region zu stärken. Davon profitieren viele Seiten: Azubis, Ausbilder, Aufsteiger bei der Feuerwehr, Umsteiger auf der Straße – und sogar Freunde des gepflegten Steaks vom Grill.
Lehre stärken, Fachkräfte gewinnen
Holz verbindet – auch Handwerk und Forschung
Gemeinsam fürs Grillerlebnis
Mach mal Pause – aber gemeinsam
Sonne gerne – aber bitte gut dosiert
Partnerschaft geht durch Gefängnismauern
Das Handwerk hilft auf die Karriereleiter
Der Einstieg ins Umsteigen
Lehre stärken, Fachkräfte gewinnen
Wenn Handwerkskammer, StädteRegion Aachen, FH Aachen und die Berufskollegs Mies-van-der-Rohe (Aachen) und Simmerath-Stolberg an einem Tisch sitzen, liegt das Thema nahe: Es geht um Ausbildung, es geht um Zusammenarbeit und Wissenstransfer. Das Ergebnis der Beratungen im März 2025 wird vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und hat den klangvollen Namen „Kooperationsbüro für Zukunftscampus Berufliche Bildung StädteRegion Aachen“. Die Bildungseinrichtungen verdeutlichten mit diesem Schritt, dass Lehrende enger zusammenarbeiten, die Fachkräftegewinnung gestärkt wird und Studierende und Azubis ins Gespräch kommen.
Holz verbindet – auch Handwerk und Forschung
Das Schlagwort von den kurzen Wegen in einem Netzwerk wird in Simmerath greifbar: Die Fachhochschule Aachen (FH) und das Berufsbildung- und Gewerbeförderungszentrum (BGZ) der Handwerkskammer sind direkte Nachbarn. Denn seit 2025 grenzt das Aachener Zentrum für Holzbauforschung (AZH) an das BGZ-Gelände, auf dem unter anderem Dachdecker, Zimmerer, Tischler, Straßen- und Betonbauer aus- und weitergebildet werden. Auch wenn das AZH mit seinem Maschinenpark auf höchstem Niveau offiziell erst im Jahr 2026 eröffnet wird, gab es schon 2025 intensiven Austausch zwischen den Holzforschern und den „Praktikern“ von nebenan. Die Partnerschaft zwischen FH und HWK ist aber nicht erst mit dem AZH-Bau entstanden. Die reizvolle Schnittstelle zwischen Forschung und handwerklicher Ausbildung beschränkt sich jedoch nicht auf den Werkstoff Holz – weil beide Seiten erkannt haben, dass es gemeinsam mehr geht.
Einen Überblick über die Kooperationen zwischen FH und BGZ gibt es hier
Gemeinsam fürs Grillerlebnis
Wenn Studierende aus dem sechsten Semester des Bachelorstudiengangs Holzingenieurwesen der FH und Azubis des BGZ zusammenarbeiten, können Grillduft und gute Laune am Holzkohlefeuer das Ergebnis sein. Im Juni 2025 stellten die jungen Leute von der Fachhochschule ihre Pläne für einen Grillpavillon vor, der auf dem BGZ-Gelände entstand. Brandschutz und ausgeklügelte Holzverbindungen waren natürlich wesentliche Elemente – aber auch ein architektonischer Hingucker: Das Grillhäuschen bekam ein Mandaladach nach Vorbild des Deutschen Pavillons der Weltausstellung Expo 2025 in Japan. Und auch hier greift der Nachbarschafts-Effekt: Den Ausbau werden angehende Zimmerer, Dachdecker, Tischler, Betonbauer und Straßenbauer des BGZ übernehmen, das Grillfeuer wird dann zweifellos gemeinsam entfacht.
𝗧𝗲𝗮𝗺 𝗕 (7 Männer, 1 Frau) hat sich mit einem architektonisch herausragenden Mandaladach, perfekten Holz-Holz-Verbindungen und clever gelöstem Brandschutz durchgesetzt.
Mach mal Pause – aber gemeinsam
Bleiben wir beim Thema Holz und der FH: Im BGZ wurde im Herbst das Richtfest eines Gebäudes gefeiert, das Auswirkungen auf die gute Laune in Simmerath haben wird und die Zusammenarbeit zwischen FH und BGZ gleich doppelt stärkt. Bei der Konstruktion des Holz-Neubaus arbeiten Studierende und Auszubildende zusammen und bei der Nutzung werden beide Seiten profitieren. Denn unter dem Namen „EinRaum+“ entsteht ein Pausenraum für alle – und damit ein Platz für lockeres Kennenlernen und den Austausch zwischen Kaffee und Pausenbrot.
Studierende, Auszubildende und Vertreter der Handwerkskammer Aachen und der Fachhochschule Aachen kamen in Simmerath zum Richtfest des EinRaum+ zusammen.
Sonne gerne – aber bitte gut dosiert
Warme Sonnenstrahlen tun gut und heben die Stimmung – aber bitte in Maßen: Besonders in den Bauberufen kann die UV-Strahlung eine echte Gesundheitsgefahr sein. Das besondere Risiko dabei: Sie ist unsichtbar, alltäglich und wird zu oft unterschätzt. Azubis aus den Frischluft-Gewerken Maler, Zimmerer, Fliesenleger, Stuckateure, Maurer und Straßenbauer bekamen daher ein Infopaket: Fachleute der Berufsgenossenschaft Bau informierten beim UV-Aktionstag „Rette Deine Haut“ im Juni 2025 im BGZ über die gesundheitlichen Risiken hoher Sonneneinstrahlung.
Partnerschaft geht durch Gefängnismauern
Die Justizvollzugsanstalt Heinsberg (JVA) ist gut gesichert und wenig einladend – aber das Handwerk ist stets willkommen. Denn es bringt eine gute Perspektive für junge Inhaftierte mit: Ausbildung und Jobs im Handwerk können nach der Entlassung eine sichere Zukunft bieten. Schon hinter den Gefängnismauern beginnt für die Strafgefangenen zwischen 14 und 24 Jahren daher die Vorbereitung auf eine handwerkliche Tätigkeit – von den Grundlagen über Fachqualifikationen bis zum Ausbildungsabschluss. Die JVA lädt Betriebe regelmäßig zum Blick hinter die Mauern ein, um Einblicke in die Qualifikationsmaßnahmen zu geben – und um erste Kontakte zwischen Inhaftierten und möglichen Arbeitgebern herzustellen.
Die Häftlinge werden von fachlich und sozialpädagogischen Experten während ihrer Zeit in der JVA Heinsberg betreut.
Das Handwerk hilft auf die Karriereleiter
Bevor junge Feuerwehrleute erste Schritte auf der Drehleiter machen und zum C-Rohr greifen, müssen sie ihr Handwerk beherrschen: Die Stadt Aachen bietet den angehenden Wehrleuten eine Stufenausbildung an und hat sich dazu die Handwerkskammer ins Boot geholt. Die Kammer übernimmt die theoretische und praktische „Kompaktausbildung“ in den Bereichen Sanitär und Heizung, Elektro, Metall sowie Holzbearbeitung. Sie findet in den Berufsbildungszentren der HWK statt, dauert 18 Monate und bildet die erste Qualifikationsphase, ehe sich als zweite Stufe die Feuerwehr-Grundausbildung anschließt. Ein Nebeneffekt dieses Modelles, das Ende 2024 vorgestellt wurde und sich im Jahr 2025 bewährte: Bislang war die abgeschlossene Berufsausbildung Voraussetzung für eine Bewerbung bei der Feuerwehr. Die Folge: Betriebe bildeten junge Menschen aus, die dann in Richtung Feuerwehr abwanderten. Die Stufenausbildung ist damit auch eine Entlastung der Handwerksbetriebe.
Mehr über die Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Feuerwehr gibt es hier
Der Einstieg ins Umsteigen
Das Fahrrad macht den Weg zur Arbeit entspannter, gesünder und umweltfreundlicher, Carsharing-Autos bringen den Handwerker zum Beratungsgespräch beim Kunden, die Fahrt zur Weiterbildung führt auch mit Bus und Bahn zum Ziel: Mobilität ist für die Betriebe unersetzlich, aber sie lässt sich intelligenter garantieren als mit Privatautos und Firmenwagen. Die Handwerkskammer Aachen startete 2025 eine Zusammenarbeit mit StädteRegion und Stadt Aachen, um im Programm „clever mobil“ die Verkehrswende in der Region anzuschieben und die Betriebe gleichzeitig einsatzfähig und flexibel zu halten. Die Initiative informiert, bietet Möglichkeiten zum Testen alternativer Verkehrsmittel und entwickelt zugeschnittene Modelle für das Handwerk – damit die Betriebe intelligent in Bewegung bleiben.
Mehr Informationen zu „clever mobil“ gibt es in diesem Artikel